herr d. und die Monster-Frau

04.01.06 - 14:14 von herr d.

Eine vergnügliche Wartezeit wollte herr d. sich damit verschaffen, in dem er beim Elektrofachmarkt - ja er hat nunmal den Hang dazu, wenn auch nicht das Geld - durch die Regale schlenderte und sich dies und das ansah. Quengelnde Kinder waren hier zum Glück selten, da man seinen Nachwuchs bequem vor den Spielekonsolen parken konnte, die zielsicher im Eingangsbereich zusammen mit Grossbildschirmen ausgebaut waren. Die Regelreihen mit Haushaltsgeräten war, im Gegensatz zur Abteilung “Unterhaltungselektronik” relativ verweist - eine Frau zupfte aufgeregt am Ärmel der Winterjacke ihres Mannes, der dann gleichmütig auf die Küchenmaschine starrte, die seine Frau ganz offenbar verzückte. Wahrscheinlich dachte er beim nicken auf die Frage: “Nehmen wir die gleich mit?!” daran, dass er gleich im Anschluss an seine grosszügige Geste, einen Wunsch frei haben würde - jedenfalls lächelte er tiefgründig …

herr d. beschloss, dass das Amüsement sicher an anderer Stelle grösser sein würde und wechselte in die Abteilung: “LCD- und Plasma TV”

Um sich darüber klar zu werden, wie gross das Bild einer 127 Zentimeter Bildschirmdiagonale sein würde, wenn man davon drei Meter weit wegsitzt (er wollte sein Wohnzimmer ja umgestalten) stellte er sich direkt vor das Gerät und fing an, Schritt um Schritt nach hinten zu gehen, um so den Abstand zu simulieren. Zwischen Schritt drei und vier prallte er auf ein Hindernis - es war weich und herrn d. war sofort klar, dass es sich um einen Menschen handeln musste. Beim Umdrehen setze er sein herzlichstes Gesicht auf, das er auf die Schnelle hervorholen konnte, formulierte mit den Lippen die obligatorische Entschuldigung - aber er kam nicht soweit - denn - vor ihm stand die Monster-Frau!

Auf Augenhöhe - herr d. ist mit 186 Zentimer nicht der Kleinste - starrte sie ihn an, sein Blick konnte sich von den, auf Kaugummi oder ähnlichem, mahlenden Kiefern bei halboffenem Mund und gelben, fleckigen Zähnen kaum lösen - sie murrte etwas Unverständliches und trollte sich dann auch gleich. herr d. stand wie in Stein gemeiselt da und sah ihr hinterher. Geschätzt 185 Zentimer gross, über 90 Kilo schwer, fiel ihr blondiertes, langes, fettiges Haar auf eine knallrosa Polyester-Daunenjacke, die wiederum kaum den Ansatz der weissgestreiften hellgrünen Jogginghose verdeckte. Ihre Füsse steckten in mittlerweile ergrauten Sportsocken, die wiederum in Adidas-Badelatschen.

Endlich konnte herr d. sich abwenden, beschloss dass er nie wieder behaupten würde, keine Vorurteile zu haben und als die Monster-Frau sich umdrehte und wieder in seine Richtung lief, floh er … Es schien ihm die einzig richtige Reaktion zu sein, um Schlimmeres zu verhindern …

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zuletzt: 05.12.2008 - 09:20