citizen.x ~ Der Automaten-Guide

27.08.06 - 10:32 von lord.daywalker

Trotz heftigem Murren seiner Begleiterin - frau.k - hatte citizen.x darauf bestanden, per Bahn anzureisen. Mit dem Auto wollte frau.k die Strecke auf einer der meistbefahrensten Autobahn mit hohem Stauniveau zurücklegen und citizen.x hatte darauf bestanden, dass die Strecke von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof in nur 40 Minuten bequem zurücklegen sei. Als theoretischer Wert klingt das einleuchtend - die Praxis macht aber klar, dass die An- und Rückreise aus/nach Monstropolis und die Wartezeiten auf die nächsten Züge & Bahnen deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, was bei kaltem regnerischen Wetter nicht wirklich ein Vergnügen ist - vom Fahrpreis einmal abgesehen.
 
Auf dem Zielbahnhof angekommen, machten sich also die beiden Besucher der Landeshauptstadt auf den Weg zur Touristeninformation - denn - die Website des eigentlichen Zieles an diesem Tag, erklärte zwar die Anfahrt mit der S-Bahn, jedoch schwieg sie sich darüber aus, welche Richtung der interessierte Besucher wählen musste. Dies liess eindeutig den Schluss zu, dass der Autokonzern nicht damit rechnete, dass ausser Ortsansässigen auch andere Besucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit Autos anreisen. Die monströsen Parkhäuser sollten später an Ort und Stelle diesen Eindruck bestätigen.
 
frau.k & citizen.x folgten also der Weisung der freundlichen Dame und begaben sich mit dem Aufzug in den Untergrund. Auf dem Bahnsteig angekommen wurde schnell klar, dass die Frage von citizen.x nach der Richtung wichtige Details nicht beinhaltete - wie z.B.: “Woher bekommt man nun eine Fahrkarte?” da weit und breit kein Automat zu sehen war. Ein kurzer Blick in die Runde der Wartenden und citizen.x suchte mit geübtem Blick einen Fahrgast heraus, der es wissen musste. Anzugträger mit Aktenkoffer - die fahren regelmässig und wissen über alles Bescheid. Sicher spielte es eine Rolle, dass citizen.x sich mit seiner Sprache klar vom ortsansässigen Dialekt unterschied, und so erhielt der Fragende schnell die Auskunft, dass oben in der Bahnhofshalle die entsprechenden Automaten zu finden seien. Also ab auf die Rolltreppe …
 

 
Vor dem modernen Touchscreen-Fahrscheinautomaten angekommen und einige Druckpunkte später war schnell klar, dass es sich nicht ohne fundiertes Wissen über Himmelsrichtungen und Stadtteile bewerkstelligen lassen würde, an ein S-Bahn-Ticket für Zwei zum Zielort zu kommen. Gerade als citizen.x zum Fluchen ansetzen wollte, sprach ihn ein älterer Herr von rechts mit den Worten: “Kann ich behilflich sein?” an. Nach einem kurzen Zögern - schliesslich sind Ansprachen auf Bahnhöfen, nach seiner Erfahrung, selten fruchtbar und/oder sinnvoll, sprudelte sein Anliegen aus ihm heraus. Und siehe da - der Herr neben ihm tippt mit abgewickelten Fingerknöcheln fluchs auf dem Touchscreen herum und erklärt citizen.x nebenbei noch, dass sie durch seinen heroischen Einsatz an der Automaten-Front nun noch 40 Cent sparen, wenn sie ein Gruppen-Ticket statt der Einzelfahrscheine kaufen. Auch als der angeknickte Geldschein wieder aus dem Automaten kommt, bietet der Herr seine Hilfe an - citizen.x ist jedoch schneller - seine Geldscheine fasst er lieber selbst an - auch wenn er dem herrn im Spurt sicher ebenbürtig oder überlegen gewesen wäre. Die Fahrkarte wird gedruckt, das Restgeld wird ausgegeben - citizen.x ist beeindruckt und bedankt sich entsprechend freundlich. Der Herr wendet sich Richtung Rolltreppe - frau.k und citizen.x folgen ihm und sehen dann den Aufdruck auf seiner Jacke: Automaten-Guide Ein wenig belustigt witzeln die Beiden darüber und erst am nächsten Tag wird der Sinn dieser Bezeichnung bei einer Recherche klar …
 
Auf der Heimfahrt gab es dann für 24 Euro pro Person einen richtig netten Stehplatz im überfüllten Eurocity zwischen den Wagons - dabei könnte alles so einfach sein, wenn Reisende, die einen Sitzplatz bekommen haben, nicht generell der Meinung wären, dass der freie Platz neben ihnen natürlich dazu dient, ihr Handgepäck, Fressalien, Jacken oder einfach nur Abfall zu beherrbergen. Genauso selbstverständlich wird dann giftig reagiert, wenn man nach diesem freien Platz fragt. Vielleicht wäre es eine gute Möglichkeit für die Deutsche Bahn künftig für Einzelreisende einen Zuschlag zu erheben - ähnlich dem der Hotels für Einzelzimmer - denn der Deutsche merkt ja erst wieder etwas, wenn man ihm an den Geldbeutel fasst, nicht aber wenn man ihn einfach freundlich danach fragt …
 
Die nächste Tour, das versprach citizen.x dann auch frau.k, würde mit dem Auto stattfinden - auch wenn er sich sicher war, dass das Kennenlernen des Automaten-Guides als eine Art Entschädigung betrachtet werden konnte …
 
Anmerkung:
Es war mir eine ganz besondere Ehre, den 2.000 Beitrag seit Start des Blogs schreiben zu dürfen ;-)
 
Alle Ergüsse von citizen.x auf einen Blick :-)

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zuletzt: 07.10.2008 - 08:10

1 monster.senf monster.senf hinzufügen

  • 1. seelentänzerin  |  27.08.2006 um 12.32

    so ähnlich erging es uns auch in düsseldorf, als wir verzweifelt vor dem fahrscheinautomaten standen. dort war uns ebenfalls ein freundlicher älterer herr behilflich, allerdings stand bei ihm nicht “automaten-guide” drauf. ;-)

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