Voice of the Night
4 monster.senf 23.06.07 - 23:48 von yana
“Mögest du in interessanten Zeiten leben”, so lautet ein chinesischer Fluch. Ein Fluch? Ja. Ein Fluch. Kein Segenswunsch.
Zuerst mag man ja geneigt sein zu sagen “hey, interessant ist gut”. Und manchmal, wenn der Alltag schier endlos und öde erscheint, dann scheint es auch so zu sein. Man sehnt sich nach Veränderung, die oft nicht zu kommen scheint. Doch die Kehrseite ist: interessant ist auch unsicher.
Sicherheit, dieses Wort geistert momentan durch die Medien. Wie kann, wie soll, wie darf der Staat für seine Bürger sicherer gemacht werden, wo liegt die (vermeintliche?) Bedrohung, wie kann man ihr vorbeugen, wie sie abwenden, wie einen eventuellen Schaden minimieren. Viele schlaue und nicht so schlaue Menschen haben in den letzten Monaten und Jahren ihren mehr oder weniger geistreichen Senf zu abgegeben. Worauf ich hinauswill: langweilig, Alltag, ist auch ein Stück Unsicherheit. An jedem neuen Tag kann etwas passieren. Manches kann, manches soll eintreten, manches hätte man nicht so gerne. Wie Menschen damit umgehen, ist unterschiedlich. Manche beten, manche schließen Versicherungen ab, manche halten strenge Routine wie eine strikte Diät ein…
Doch wo bleiben die Träume? Heute hatte ich ein Gespräch, da hat mir eine langjährige Freundin erzählt, sie hätte ihr Leben gern ruhig, beschaulich, langweilig…sicher. Soweit nichts einzuwenden. Aber. Wo bleiben die Träume? Ist nicht jeder der Held seiner eigenen Träume(ich weigere mich jetzt einfach, zig Buchstaben in zig Klammern zu setzen, damit sich auch jede(r) angesprochen fühlt, so emanzipiert bin ich, daß ich mir diesen Schnickschnack weitgehend spare. Aber zurück zum Thema. )? So sollte es sein. Dachte ich. Ich dachte, so denkt jeder. Falsch gedacht. Diese Freundin, von der ich dachte, ich kenne sie so gut, die mir immer viel couragierter vorkam als ich selbst es bin, diese Freundin erzählte mir, auch ihre Träume sollten bitte ruhig, überschaubar sein, unpersönlich, so kam es mir aus ihrer Schilderung vor, wie ein Roman, an dem sie als Beobachter teilnimmt und nicht selbst agieren muß.
Hatte ich schon erwähnt, daß ich schockiert war? Daß es Menschen gibt, denen es immer schwerer fällt, an Träumen festzuhalten, ja, das wußte ich, das geht mir oft genauso. Aber “die Gedanken sind frei”, ich dachte, das gilt auch für Träume. Daß es Menschen geben kann, die sich nicht einmal erlauben, in ihren Träumen frei zu sein, mutig…
Kann man sich so weit von sich selbst zurückziehen, sich so weit vor sich selbst verstecken? Offensichtlich kann man das. Sollte man? Ich denke nein.
Haltet an euren Träumen fest, so ihr noch welche habt, seid keine bloßen Beobachter eurer eigenen Wünsche und Sehnsüchte, verschließt euch nicht vor euch selbst, seid ehrlich zu euch selbst!
Gute Nacht…
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