08.04.08 - 23:18
von K.
Angesichts der Dringlichkeit der Situation kommen wir heute direkt zur Sache. Ohne Umschweife, ohne Schnörkel und Verzierungen. Direkt eben. Wer oder was nun bedroht unseren K? Die Arbeitssucht. Als K am Samstag noch nach Mitternacht über der Umsatzsteuervoranmeldung für das 1. Quartal saß, Rechnungen und Quittungen, Überweisungsbelege und Zahlungseingänge sortierte und die Werte in die Einnahme-Überschuss-Rechnung übertrug, wurde es ihm plötzlich klar. Er war dem Abgrund zu nahe gekommen, um noch zu entfliehen. Die Arbeitssucht hatte ihn gepackt, ihn, der immer dachte, dass dies die einzige Sucht war, die keine Gefahr für ihn darstellen konnte. Mit einem Mal jedoch war alles anders. Tags darauf, am Sonntag, ertappte er sich dabei, wie er wie zufällig einen Artikel in einer Fachzeitung las und anschließend ganz automatisch begann, einen Schriftsatz zu verfassen. Am Montag endlich war die Falle gänzlich zugeschnappt. Noch vor 9 Uhr in der Frühe saß K an seinem Schreibtisch, arbeitete mit nur wenigen Pausen bis gegen Mittag und fiel, obwohl vollgefressen und zufrieden mit dem bisherigen Tagewerk, erst mit einer viertelstündigen Verspätung in den Mittagsschlaf. Er beschloss, das nächsten Treffen der Anonymous Workaholics zu besuchen, um gemeinsam mit anderen Betroffenen den Kampf gegen diese heimtückische Krankheit aufzunehmen.
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08.04.08 - 06:06
von clemenz.demenz
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08.04.08 - 01:57
von citizen.x
Zum besseren Verständnis muss man vorausschicken, dass citizen.x eine positive Definition von Familie erst im zarten Alter von über 30 Jahren überhaupt finden konnte. Seine eigene ‘Familie’ kennzeichnete sich die ersten 15 Jahre eigentlich nur durch Desinteresse des Vaters und/oder tägliche Prügelorgien der unzufriedenen Mutter, die ihren selbstauferlegten Frust ja verständlicherweise los werden musste. Da Eltern gerne auch mal ein Lieblingskind haben und citizen.x diese Stellung nicht inne hatte, braucht es keine grossartigen Erklärungen um festzustellen, dass das Verhältnis der Brüder untereinander, sagen wir, gestört war. Nachdem die Kinder gross waren, wie es immer so schön hiess, und auf eigenen Beinen stehen konnten, liess die Mutter sich scheiden, Eltern und Bruder verzogen und der Kontakt beschränkte sich im Laufe der Jahre zunehmend bis hin zu einigen kurzen Besuchen bei der Mutter. Nachdem sich die Brüder fast 10 Jahre nicht gesehen hatten - der Kontakt zum Vater ist seit fast 15 Jahren angerissen - plante die Mutter heimlich zu Weihnachten eine Art Familienzusammenführung. Ergo sass man am 2. Weihnachtsfeiertag plötzlich und unvorhergesehen an einem Tisch und tat nach Kräften so, als sei man die Familie, die man immer beklagt hatte. Einseitig ausgesprochene Einladungen ignorierte citizen.x so gut er konnte - auf vehemente Nachfrage fand man immer ‘Gründe’ die dagegen sprachen.. Zum grossen runden Geburtstag referierte die Mutter an der chinesischen Festtafel darüber, wie gut sie doch immer zu ihren Kindern war, bis citizen.x aufsprang - der Stuhl kippte nach hinten - und erklärte, dass sie das sofort zu unterlassen hätte oder er würde zuerst ein paar wahre Geschichten erzählen und dann ein für alle Mal auf solche Treffen verzichten würde. Im Alter - das hat man ja schon mal wo gelesen - glorifiziert man seine Erinnerung offenbar wirklich gerne …
Wie dem auch sei - es begab sich, dass die Mutter sich einer grossen Operation unterziehen musste und da sie am Ort wohnt und der Bruder 2 Autostunden entfernt, sah citizen.x es als seine Aufgabe an, die entsprechend anfallenden Arbeiten zu erledigen. Die Telefonate mit dem Bruder nahmen situationsbedingt zu - solche Telefonate bei denen man nach der eigentlichen Information, die es zu übermitteln galt, gar nicht mehr weiss, über was man sprechen sollte - waren die Brüder doch grundverschieden. Plötzlich meldeten sich Verwandte (die Mutter hatte die Telefonnummer wohl herausgegeben) die man Jahrzehnte nicht gesehen oder gesprochen hat und reden von “Wir müssen uns unbedingt mal treffen” - nee Leute in 100 Jahren nicht - einen Menschenschlag, der sich von einem abwendet, weil man nach deren Dafürhalten zu einer Beerdigung nicht korrekt gekleidet erscheint - nein danke!
Aber wollen wir detailverliebt nicht weiter abschweifen … Während der stationären Rehamassnahme hatte die Mutter also am Ostermontag Geburtstag. Ein paar Tage vorher schickt der Bruder eine eMail in der er erklärt, dass er zum Geburtstag nicht kommen wird, weil er über Ostern mit seiner Frau auf den Campingplatz fährt. Schliesslich würden sie viel arbeiten und bräuchten die paar freien Tage zur Rekonvaleszenz. Aber die Adresse der Rehaklink darfs gerne sein, damit er mit einem grossen Blumenstrauss von Fleurop vermeintlich glänzen könne. Es zuckte beim lesen der eMail bereits in den Fingern von citizen.x aber er dachte sich, um ‘des lieben Friedens willen’, wäre es vielleicht angemessener, sich seiner Meinung einfach zu enthalten. Nun gut … Am nächsten Tag klingelte sein Handy auf Arbeit und der Bruder erklärte erneut, wie sehr er es bedauern würde, dass er frei Tage einem Besuch vorziehen muss, aber er und seine Frau arbeiteten halt viel. Es war ein kurzes Telefonat, da sich die Umgebung des Arbeitsplatzes in den seltensten Fällen dazu eignet, eine intensivere Kommunikation zu führen. Aber zweimal ist mindestens einmal zuviel und so liess sich citizen.x nach Arbeitsende dazu hinreissen, eine eMail an seinen Bruder zu verfassen:
“Ob Du/Ihr zu Mutters Geburtstag kommt oder nicht, ist mir grundsätzlich relativ egal - was ich allerdings nicht hören oder lesen möchte, sind diese Erklärungsversuche wie: “… sind die einzigen freien Tage” etc. pp. Ihr arbeitet viel - ganz klar - aber Ihr seid nicht die Einzigen. Auch meiner Frau hätte es ganz sicher gut getan, wenn wir hätten ein paar Tage wegfahren können, statt unseren vorab geplanten Urlaub zuhause zu verbringen, weil man damals ja noch nicht wusste, dass Operation und Kur für Mutter anstehen und damit jede Menge Dinge zu regeln sind. So ist es nur dem sofortigen meiner Frau zu verdanken, dass Mutter nicht gestern aus dem Krankenhaus entlassen wurde, um am kommenden Donnerstag in einer krankenkasseneigenen Klinik im Schwarzwald aufgenommen zu werden, weil das billiger für die Krankenkasse ist und Mutter nach aktueller Gesetzeslage keinen Rechtsanspruch auf eine Kur hier um die Ecke hat. Sa ich ja bekanntlich mein Geld im Schlaf verdiene, hatte ich ja Zeit mich um alles soweit zu kümmern, den Verlegungstransport selbst zu machen etc. pp. Damit will ich sagen - jeder tut was er aus seiner Warte tun kann - und zwar ohne dass man sich darüber unterhalten oder gegeneinander aufrechnen muss. Vor allen Dingen aber will ich mir nicht irgendwelche Rechtfertigungen von Deiner Seite anhören müssen.”
Im weiteren Verlauf dieser eMail ging es auch noch um den Ernstfall - Mutter würde zum Pflegefall. Hierzu hatte er klar erklärt, dass die Pflege zuhause von polnischen 400 Euro-Kräften zu machen sei und dass ich vor Ort das in die Wege zu leiten und zu beaufsichtigen hätte. Das wurde von mir ein letztes Mal negiert unter dem Hinweis, dass er, wenn er gegen eine Heimunterbringung sei, Mutter gerne zu sich holen könnte, um sie dann mit polnischen Pflegekräften zu versorgen.
Es dauerte auch nicht lange bis seine Antwort-eMail kam - sie war durchaus kurz und verständlich gehalten und beinhaltete ein einziges Wort: Arschloch
Der Blumenstrauss zum Geburtstag der Mutter blieb aus, Muttis Liebling verstummte in seiner Kommunikation mit dem Arschloch Bruder und wenn sie nicht gestorben sind, dann schweigen sie noch heute …
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