Die Top 3 in Sachen Ignoranz
25.07.08 - 08:05 von lord.daywalker
Anlässlich des Todes meiner Mutter hatte ich es übernommen, mich um die Formalien zu kümmern, die in diesem Zusammenhang zu erledigen sind. Aus dem breiten Band dessen, was es hier zu erleben galt, haben sich drei Dienstleister ganz besonders hervor getan und das ist eine explizite Erwähnung wert.
Platz 3
Geht an den örtlichen Mieterschutzbund - dort hat man nur 7 Wochen und eine bitterböse eMail lang gewartet, um dann sang- und klanglos den Mitgliedsbeitrag zu erstatten.
Platz 2
Geht an die AachenMünchener Versicherungsgruppe - dort bestätigte man mir prompt das Erlöschen der Hausratversicherung und stellte die Übersendung eines Schecks in ‘den nächsten Tagen’ in Aussicht, obwohl das Nachlasskonto zur Abwicklung angegeben wurde. Gleichzeitig reichte ich die Rechnung des Glasers für die Glasscheibe der Wohnungstür, die bei der Zwangsöffnung durch die örtliche Polizei beschädigt wurde, ein. Nach 6 Wochen ohne jede Nachricht rief ich also bei der Versicherung an. Nachdem der Name meiner Mutter im ‘Computer’ nicht gefunden werden konnte, stellte sich heraus, dass man mich zum Versicherungsnehmer gemacht hatte. Dann teilte man mir mit, dass man den Scheck nicht geschickt hatte, weil ich ja angegeben hatte, dass ich meine Wohnung gerade auflösen würde.
“Ach - nicht Ihre sondern die von Ihrer Mutter?! Sollen wir Ihnen jetzt einen Scheck schicken oder sollen wir den Betrag auf Ihr Konto überweisen? Auf das Nachlasskonto Ihrer Mutter? Nein - das geht nicht. Dann also einen Scheck? Gut.”
“Und wie ist das mit dem Versicherungsfall, den ich gemeldet habe?” will ich wissen.
“Das waren die 99,71 Euro? Die haben wir Ihnen auf das Konto 123456789 erstattet. Ach das ist das Nachlasskonto Ihrer Mutter?”
“Dann können Sie also doch auf das Nachlasskonto überweisen? Na dann verfahren Sie das doch bitte auch mit der Beitragserstattung so. Und warum erhalte ich kein Schreiben, dass der Versicherungsfall abgewickelt wurde?”
“Na Sie hatten uns doch mitgeteilt, dass Sie Ihre Wohnung gerade auflösen …”
Platz 1
Geht an die Deutsche Telekom - wer hätte das gedacht
Binnen einer Woche erhielt ich an meine Adresse ‘Nachlass H. Röcker’ die Rechnung für den abgelaufenen Monat. Als ich nach weiteren vier Wochen noch immer keine Bestätigung in Sachen Vertragsende bekommen hatte, rief ich also im bundesweiten Call-Center an, um zu erfahren, wann ich eben diese Bestätigung erhalten würde. Wider erwarten hatte ich sehr schnell einen Mitarbeiter am Telefon, der mich zuerst fragte, ob ich denn bereits über den Sterbefall informiert hätte. Nun - da ich eine Rechnung mit dem Vermerk: “Nachlass H. Röcker” bekommen habe … “Ah ja … na dann geht alles seinen Gang. Die Bestätigung kommt in den nächsten Tagen.”
Als 14 Tage später dann immer noch keine Bestätigung gekommen war, rief ich also erneut an. Wider Erwarten hatte ich wiederum schnell eine Mitarbeiterin am Ohr, die sich verständig zeigte, mir allerdings mitteilte, dass gerade eine Rechnung für den laufenden Monat Juli an mich versandt würde. Dass ich die Rechnung für den Sterbemonat Mai bezahlt habe, sieht sie - dass ich im Juni erwartungsgemäss keine Rechnung erhalten hatte wäre eigentlich richtig, aber warum ich denn nun für den Juli eine bekommen würde, weiss sie nicht. Halt doch - na der Anschluss sein ja nach wie vor geschaltet.
Die Frage, ob sie nicht auch der Meinung sei, dass der Tod meiner Mutter auch so traurig genug wäre, ohne dass man sich mit solchen ‘Dingen’ befassen muss, löst bei Ihr merkliches Unwohlsein aus. Sie bemüht sich, mich so schnell wie möglich wieder aus der Leitung zu bekommen und versichert mir, dass sie den ‘Fall’ mit dem Vermerk ‘dringend’ der Sachbearbeitung vorlegen würde.
Als Mitglied des Bundesverbandes der Querulanten (™ k.) schicke ich ein Einschreiben an das ‘Beschwerdemanagement’ hinterher und teile mit, dass - sollte die Angelegenheit bis 23.07.08 nicht endgültig erledigt sein, ich meine Vertragsbeziehungen zur Deutschen Telekom und zur Tochter D1 überdenken und lösen werde. Dann ruht still der See … bis mich mein Bruder anruft, der per Nachsendeauftrag die Post unserer Mutter erhält. Die Deutsche Telekom teilt meiner Mutter persönlich per Form-Schreiben vom 17.07.08 mit, dass sie Ihrer Kündigung entspricht und den Anschluss zum 02.06.08 in den nächsten Tagen abschaltet. Sie sollte sich nicht wundern, wenn ggf. weitere Rechnungen kämen …
Keine Rückäusserung seitens der Deutschen Telekom auf mein Anschreiben hebt die Brillianz des ganzen ‘Falles’ deutlich aus der grauen Masse derer ab, die einfach ihre Arbeit erledigt haben. Die Kündigungen meiner Verträge gehen heute mit entsprechender Begründung in die Post …
Der Sonderpreis der Jury
Geht an die Mitarbeiterin des Notariat am Wohnort - nachdem ich zum allerersten Mal einen Sterbefall selbst ‘abgewickelt’ habe, habe ich natürlich überall Informationen darüber eingeholt, wie was läuft und wer was machen muss. So sagte man mir auf dem Standesamt, dass das Notariat darüber Auskunft geben könne, ob wir Hinterbliebenen die Wohnung unserer Mutter auflösen könnte, oder ob vom Nachlassgericht jemand kommen müsse. Dort würde man auch die erbrechtlichen Fragen klären können. Nach einiger Wartezeit war die genannte Mitarbeiterin dann frei. Ich erklärte mein Anliegen und sie schnautzte erklärte mir dann ihr Unverständnis darüber, was ich denn hier wollte, wo sie doch noch gar keinen ‘Fall’ hätte. Der würde erst angelegt, wenn das Standesamt den Sterbefall mitgeteilt hat. Das war drei Tage nach dem Tod meiner Mutter und entsprechend fassungslos war ich. Nachdem ich ihr dann erklärt hatte, dass sie u.a. hier sitzt, weil ich meine Steuern bezahle Auskunftspflicht besteht, änderte sich zwar ihr Ton nicht, aber ich erhielt wenigstens die erforderlichen Informationen.
Trotz Nominierung leer ausgegangen sind
Der Stromversorger ENBW den ich wegen rekordverdächtiger Abwicklung in nur drei Tage solange als vorbildlich erwähnte, bis man mir letzte Woche den neuen Stromvertrag für meine Mutter übersandte.
Und keinesfalls vergessen darf man die Hausbank meiner Mutter, die sofort eine Pauschale von 25 Euro für die Abwicklung des Nachlasskontos abbuchte, wobei jeder Geschäftsvorfall auf diesem Konto sowieso Gebühren auslöst, wie ich am Quartalsende überrascht (ich kenne das von meiner Hausbank nicht) feststellen musste. Ein Schnäppchen quasi, wenn man bedenkt, dass ich den Sachbearbeiter wegen des Einzugs der EC- und Kontokarte jedes Mal persönlich aufsuchen muss, um eine vorgefertigte Überweisung abzugeben oder eine Kontoübersicht zu bekommen. Eigentlich sollten wir allerdings Geld bekommen - der freundliche Herr am Tresen konnte sein Wissen in Sachen Geschäftsvorfälle deutlich aufstocken - es war sein erster Sterbefall …
Der Beitrag ist klasse & Dein Geld sitzt locker? Schenke uns was ...
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Tags: Abwicklung, Bankgebühren, Deutsche Telekom, Deutschland, Dienstleister, Formalitäten, Germoney, Ignoranz, Kontoverwaltung, Mieterverein, Nachlass, Notariat, Sterbefall, Tod, Versicherung
zuletzt: 03.12.2008 - 02:13







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1. bored72 | 26.07.2008 um 01.19
wahnsinn manchmal fragt man sich , ob die tatsächlich nur doof und unproffessionell sind oder ob mans nicht absichtlich drauf anlegt gewisse dinge auf der langen bahn zu halten um zu hoffen der andere hat den kürzeren atem und verzichtet irgendwann aus unsicherheit,unwissenheit oder behördenhörigket dem ganzen weiter nachzugehen .
2. lord.daywalker | 26.07.2008 um 08.24
Ich denke dass es vordringlich etwas damit zu tun hat, dass die Personaldecke dünn ist und die Arbeitgeber zusätzlich am Lohn sparen. DIese beiden Faktoren sorgen schon immer für eine Schlechterfüllung
3. lord.daywalker | 19.08.2008 um 16.17
Und wie die Geschichte weiter ging …
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