Man glaubt bloß, was man glauben will…
4 monster.senf 16.10.08 - 15:15 von MJoe
Die Liebe im Turm
I Hendrik
Heute durfte ich sie sehen, welch ein Glück!
Mit großer Freude denke ich zurück
Sie schenkte mir ein Lächeln so klar
Wie noch kein Wildbach jemals war
Vergessen waren all die Qual und Not
Ganz so, als wär der große Drachen tot
Vergessen war er für einen stillen Moment
Ach, wenn ich nur ein Mittel fänd
Zu meiner Isolda durchzudringen
Ohne dem Ungetüm mein Leben darzubringen
Schon die Zauberin frug ich um Rat
Doch alles, was sie tat
War, mir einen guten Rat zu geben
Anstatt mich in des Turmes Höh empor zu heben
mir bleibt noch der Weg zu den guten Elfen
Nur sie können mir noch helfen
Dann kann ich die Holde bald in meinen Armen halten
Und uns ein schönes Leben gestalten
Doch bis dahin ist´s noch ein weiter Weg
Und ein sehr schmaler Steg
Denn ich muß das Biest noch zur Strecke bringen
Um mich zur Isolde durch zu ringen.
II Drachen
Da kommt er wieder, dieser eitle Tropf
Ha, bald gehört mir sein blonder Kopf
Das hat er davon, der arme Tor
Sieh nur, jetzt prescht er vor
Zu seiner Liebsten will er rauf
Gleich freß ich ihn auf
III Isolda
Mein tapfrer Hendrik ist wieder da
Ach, ich liebe ihn fürwahr!
Mag er auch etwas ungeschickt sein
Mein Herz ist für immer sein!
IV Hendrik
Die Elfen wollten mir keine Hilfe gewähren
Ich werde sie schon alle belehren
Ihnen allen zeigen, was ich kann
Nämlich den großen Drachen besiegen, und dann
Ist die süße Isolda für immer mein
Ja, genau so wird es sein!
V Drachen
Da kommt er, dieser kleine Wurm
Und denkt, er kann erobern meinen Turm
Wenn er sich nur sehen würde!
Stolz ist für ihn wohl keine Hürde
So lächerlich, und will ein Ritter sein
So witzig, daß ich schon vor Lachen wein
Nun stolpert er über seine eigenen Füß
Ist der Kleine nicht entzückend süß?
Kann vor Lachen mich nicht mehr halten
Ich werde seinen Schädel spalten
Ohne, daß er merkt, was über ihn kam
Und ihm sein wertloses Leben nahm
Ich muß stoppen, mir tut der Bauch schon weh
Doch das Lachen juckt mich vom Scheitel bis zum Zeh
Ach, was ist er nur für in einer großen Not!
Er soll geh´n, ich lach mich tot
VI Hendrik
Das Vieh liegt auf seinem Rücken und brüllt
Daß es einem nur so in den Ohren schrillt
So langsam schon ringt er nach Luft
Wart nur, dich bring ich in die Gruft!
Doch, eiderdaus, was ist das?
Jetzt macht er sich vor lauter Brüllen naß!
Und stößt noch einen Keucher aus
Und liegt da wie eine tote Maus
So schön, ein Traum kann´s nur sein
Denn der Triumph ist nun mein
Das Tier ist wohl erstickt
Was meine Seele sehr erquickt
VII Isolda
Ich glaub, mir spielen einen Streich die Sinne
Oder ist das die Macht der Minne?
Das Monster rührt sich nicht
Der Tod ist auf seinem Gesicht
Der Anblick meines tapfren Hendrik ließ es vor Angst sterben
Meines tapfren Hendrik Anblick war des Drachen Verderben!
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