Schweiss ist, wenn die Muskeln weinen
19.04.09 - 12:50 von muscleman

Zwischenbilanz
10 Trainerstunden – ein Totalausfall
Am Freitag war es soweit eine Zwischenbilanz nach 10 Trainerstunden mit ‘No Mercy Kim’ zu ziehen. Das erste Stundenkontingent ist aufgebraucht – eine Stunde musste ich netterweise nicht bezahlen, weil ich mit so kritischen Schmerzen im Studio eingelaufen bin, dass selbst ‘No Mercy Kim’ dass ihr das zu gefährlich sei.
Okay – also ab mit mir auf den BodyChecker, um die heutigen Werte mit den Anfangswerten (wir erinnern uns: ‘Muskulatur im Prinzip nicht vorhanden’) zu vergleichen. Ich werde also in die Maschine eingespannt und angefeuert von ‘No Mercy Kim’ drücke und schiebe ich was das Zeug hält. Die Maschine spuckt einen Zettel aus und während wir zum Trainerbüro zurücklaufen, höre ich immer wieder: “Nicht schlecht, gar nicht schlecht …” Nach der Eingabe der Werte in das Programm, wird gewogen und Fett-/Flüssigkeitscheck gemacht. Die Werte werden ebenfalls eingetragen und dann spuckt der Drucker auch schon das Ergebnisblatt aus. ‘No Mercy Kim’ grinst und schiebt mir die alten & neuen Ergebnisse über den Tisch. Dann erklärt sie mir:
Bauchmuskulatur:
von nicht vorhanden auf wenig trainingsbedürftig verbessert
Rückenmuskulatur:
von nicht vorhanden auf mässig trainingsbedürftig verbessert
Wasserhaushalt:
Gleichbleibende Bestnote
Gewicht:
2,2 Kilo zugenommen bei 0,5% Abnahme des ohnehin guten Fettwerts – das bedeutet, dass 2,2 Kilo reine Muskelmasse aufgebaut wurde
Im Bereich Arme & Schultern hat sich muskelmässig kaum etwas getan – das ist u.a. Thema für die nächsten 10 Trainerstunden, die ich gebucht habe. Ausserdem, so Kim, werden wir jetzt mal was für meine Ausdauer tun, für die Ernährung und gegen das Rauchen 
Dass ich in kurzer Zeit so viel erreichen würde, obwohl ich wegen der Schmerzen ab und an nur eingeschränkt trainieren kann, was der Wert für die Rückenmuskulatur ja auch widerspiegelt, hätte ich nicht erwartet und Kim wohl ebenfalls nicht. Ich grinse, lehne mich zurück, Kim strahlt mich an und sagt: “Nix mit ausruhen – weiter gehts!”
120 Situps (60 im Liegen und 60 im Hängen), Bauchpresse, Cruncher und einmal Laufband später ist alles wie immer – ich bin total tot und weiss genau, dass und wo ich am nächsten Tag Muskelkater haben werde und ‘No Mercy Kim’ erklärt mir beim Dehnen, dass sie mich als ‘Erfolgsgeschichte’ in die Mitgliederzeitschrift bringen will. Ich erkläre: ‘Nur mit Sonnenbrille’ und frage, wieviele Schlaffis sie denn schon erfolgreich trainiert hat. Sie überlegt und nennt die Zahl 12. “Du bist dann die Nr. 13″ – na wenn das nix ist 
Mein persönliches Fazit:
Es hätte mir nichts Besseres passieren können, als mir ‘No Mercy Kim’ als Trainerin auszusuchen – die Frau lässt sich vor jedem Training genau beschreiben wo, was und wie es weh tut, frotzelt immer gerne, wenn ich total im Arsch am liebsten aufgeben würde – manchmal denke ich: “Die Frau ist echt irre” wenn sie mir wieder 10 Kilo mehr irgendwo drauf legt und sie hat es geschafft, dass ich mir im Eigentraining (einmal die Woche und zweimal die Woche mit Kim) vorstelle, sie würde jetzt neben mir stehen und ich doch nicht aufhöre, obwohl alles einfach nur weh tut. Der Muskelkater hält nun keine 4 Tage mehr, sondern ist spätestens am 2. Tag weg – die Schmerzen allerdings haben sich nicht wesentlich verringert – das war auch nicht zu erwarten sagen Orthopäde und Kim – ich bin motiviert durch den offensichtlichen Erfolg – ich spüre nun meine Bauchmuskeln und ich bemerke, das ich mich besser bewegen kann.
Ich habe mit Walking am Morgen begonnen – sehr zu Kims Leidwesen ohne diese lächerlichen Stöcke – nehme Mega-Proteine zu mir – ernähre mich ein wenig gesünder und wir werden sehen, was die nächsten 10 Trainerstunden bringen werden, nachdem ich vorletztes mal so gertig am Schrank der Umkleide lehnte und nach Luft schnappte, dass der Chef, der gerade durchlief nachfragte, ob er besser einen Arzt holen soll. Als ich röchelnd erklärte, dass ich mit ‘No Mercy Kim’ trainiere und mir da selbst ausgesucht habe, sagte er: “Ja – Kim kann einem schon hart rannehmen” und ich nickte schwach – oder aber um es mit Kims Worten zu sagen: “Hey – die Sauerstoffflasche, die wir bereit halten, heben wir uns noch bis zur Kür auf” 
… to be continued …
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10 Kommentare Kommentar hinzufügen
1. monster.mauli | 19.04.2009 um 23.06
Herzlichen Glückwunsch! Lieber muscleman, das klingt doch toll!
achja – gegen Muskelkater und so hilft ganz prima Magnesium (Tabletten auflösen im Wasser sind besser als die zum schlucken).
Hab auch grad wieder geschluckt – mir tut der ganze Hals, die Adduktoren, die Schultern und manches andere, wie der Kapselriss am äußersten Glied des re Ringfingers weh…
ist aber alles doch nicht so schlimm, Kleiner, oder? Gerade wenn man dann mal die Ergebnisse sieht, gelle???
2. lord.daywalker | 20.04.2009 um 07.34
Kapselriss klingt nicht wirklich schön – ansonsten gilt hat: “Wenn alte.männer Sport machen …”
3. K. | 20.04.2009 um 21.36
klasse! Siehste! Weiter So, Gevatter D! Freut mich, dass du die Welt der Althethenfreuden entdeckt hast. Und da du ja auch son Suchtheini bist, bleibst du jetzt bestimmt bei der Stange, nachdem du auf den Geschmack gekommen bist. Hab doch gleich gesagt, lass die Ärzte + Medis sausen und wandele auf den Pfaden des Herkules. Aber wie auch schon bei der Bloggerei haste zunächst felsenharte Ablehung gezeigt… Wirst sehen, irgendwann stimmst du auch meinen Mode-Empfehlungen voler Überzeugung zu, wirst die ollen dunklen Klamotten inne Tonne und kleidest dich in zarten Pastelltönen – ein leichtes Blö, lindgrün und viiiiiel schmeichelhaftes Rosa.
Hier nimmt der Umzug schon Formen an, und wie durch Zufall habe ich endlich, nach Jahren der Irrfahrt, meine berufliche Bestimmung gefunden: Ich werde Dipl.-Waschmaschinenträger. War echt geil, das Teil zu zweit vom 6. OG runterzutragen… Eine echte Grenzerfahrung, die man nicht missen möchte.
4. muscleman | 21.04.2009 um 15.13
Ach Herr K. – bei Ihrem nächsten Umzug werde ich ihre Waschmaschine einhändig tragen wohin auch immer transferiert werden soll
5. K. | 21.04.2009 um 21.28
Okay, mal sehn, was sich machen lässt – Ich kann natürlich noch nix versprechen, aber ich habe dich auf die Waschmaschinenträgerinteressentenliste gesetzt.
6. lord.daywalker | 21.04.2009 um 22.28
Sehr gut Herr K. – ich muss dann ja schliesslich in Übung bleiben
7. bored | 22.04.2009 um 02.50
also wenn man das so liesst ,komm selbst ich ins grübeln ob ich nicht vielleicht doch auch ..irgendwie .. irgendwas..in dieser richtung … möglicherweise .. zumindest versuchen sollte .
also herzlichen glückwunsch für deine in doch relativ kurzer zeit
aufgebaute muskelmasse
man darf ja net vergessen
dass es du es damit unter deinen umständen weit schwerer hast
als jemand der kein schmerzpatient ist und auch sonst nichtvon gesundheitlichen sorgen wie du sie hast geplagt ist
da muss ich dein durchhaltevermögen
dein “trotzdem dranbleiben und nicht hinschmeissen ”
wirklich mit respekt zollen
und auch ein wenig neid
da ich dieser liga ja so gar nicht angehöre
vor allem bei sport
und selbst wenn ich nicht von unschönen dingen geplagt bin
ich drück dir die daumen
dass es grad so erfolgreich mit dir weitergeht
8. muscleman | 22.04.2009 um 06.21
Das Grundproblem ist, so sagen Ärzte, Physiotherapeuten und Trainer übereinstimmend, dass die meisten Menschen erst kommen, wenn es kurz vor knapp oder sogar zu spät ist. Solange der Körper keine Schmerzen produziert, denkt man, dass alles nicht so schlimm sei.
In meinem ‘Fall’ ist es so, dass die Jahrzenhnte in denen man nichts gemacht hat, nicht mehr rückgängig zu machen sind und sich die Schmerzen bereits chronifiziert haben und das über Jahre. Es fehlt jemand, der einem an die Hand nimmt – so lächerlich das klingen mag – und sagt, dass es allein mit Physiotherapie und ‘ein wenig mehr Bewegung’ nicht mehr besser wird. Der Orthopäde schreibt in seinen Bericht, dass hier oder da mit Muskulatur mehr zu machen ist. Der Therapeut ist grundsätzlich daran interessiert, dass Du als Dauerpatient wieder kommst. Der Hausarzt setzt am Liebsten auf Akkupunktur und die Schmerzen werden, auch unter Einsatz von Schmerzmittel nicht weniger.
Es folgt Diagnostik, man kann das Problem beim Namen nennen und man stellt beispielsweise fest, dass man wenigstens die ‘besten Bandscheiben hat, die seit langem hier im Kernspin waren’. Mittlerweile gefangen im Zyklus Doc, Physio, Tabletten, fällt es schwer … sehr schwer, Depression & Hoffnungslosigkeit zu überwinden. Bleibt als letzter Ausweg eine ‘geregelte Schmerztherapie’ und wenn man dann Glück hat, trifft man im Schmerzzentrum auf jemanden, der die Sache nicht nur aus seiner Warte betrachtet, sondern sich Zeit zum Gespräch nimmt, statt sich darauf zu beschränken, Opiate zu verordnen.
Motiviert von dem Gedanken, nicht mit Opiaten zugedröhnt sein zu wollen, nimmst Du den Rat an, Sport zu betreiben. Dazu geht man ins Sportstudio und obwohl Dir das zutiefst zuwider ist, machst Du dort einen Termin. Du erklärst dem Trainer genau um ws es geht, kannst mit Berichten wedeln, was ihn nicht interessiert und er verpasst Dir ein leichtes Trainingsprogramm – 08/15 eben. Also machst Du, was Dir geraten wird, es hat Dir nur niemand gesagt, dass das bekannte Schmerzen intensivieren wird und neue hinzukommen. Wenn dann ein, bei chronischen Schmerzpatienten, hohes Maß an Schmerzen erreicht ist, setzt man die Massnahmen aus, weil es unerträglich wird. Also zurück zum alten Kreislauf, nach Senkung des Schmerzlevels neuer Versuch. Der trainer ist entsetzt, versteht es nicht so ganz und gibt dir ein neues, anderes Trainingsprogramm, leitet Dich kurz an und dann passiert genau das Gleiche wieder. Die Schmerzen werdne so unerträglich, dass Du Dich entschliesst, erneut das Schmerzzentrum aufzusuchen, dieses mal mit der klaren Vorgabe, Opiatpatient zu werden. Einer Deiner Fachärzte ist ‘Gott sein Dank’ in der Lage Dir einen schnellen Termin zu vermitteln – in Schmerzzentren darf man gerne mal Monate auf einen Termin warten.
Dort nimmt man sich wieder Zeit für Dich und macht Dir klar, dass jetzt die letzte Gelegenheit ist, die Folgen der Untätigkeit wenigstens mildern zu können. Erstmals sagt Dir jemand, dass der Prozess ungefähr ein Jahr dauern wird, dass er geprägt sein wird von Schmerzen und gibt Dir Medikamente an die Hand die das mindern sollen – andernfalls tatsächlich Opiate um einigermassen schmerzfrei trainieren zu können. Erstmals sagt man Dir, dass, falls Du es Dir leisten kannst oder willst, nur ein Personal Training in Frage kommt. Du erkundigst Dich also in Deinem Studio und selbstverständlich gibt es diese Möglichkeit, wobei man sich fragt, warum das Studio das nicht offensiv anbietet, und es ist gar nicht so teuer wie man vermuten würde. Du sprichst mit dem Trainer und stellst fest, dass e/sie Dir zuhört und vor allem weiss, wovon du sprichst. Er/sie passen künftig auf, dass du nichts falsch machst (da können echt schlimme Dinge passieren) und sie sorgen dafür, dass Du erst aufhörst, wenn der Satz beendet ist und schätzen Deine Leistung ein. Wenn ich sehe, dass ich in der ersten Stunde gerade 3 x 10 Situps hinbekommen habe und da schon tot war und vier Tage Bauchmuskelkater hatte und es heute 120 Situps sind und der Muskelkater am näcshten Morgen bereits verschwunden ist, dann ist das Motivation – und das trotz der Schmerzen, die sich von 10 Trainerstunden und ein Eigentraining (nur Dinge die man nicht falsch machen kann) unbeeindruckt zeigen. Schliesslich hat man Dir gesagt, dass das ein Jahr dauern wird – eigentlich ein Klacks wenn man bednekt, dass man Jahrzehnte nichts getan hat – oder um es mit den Worten der markigen Worten der Trainerin zu sagen: “Hey – Dein Körper kotzt jetzt so richtig und da musst Du durch.” Sie motiviert Dich, sie erkennt nach kurzer Zeit was geht und was (noch) nicht, arbeitet zielgerichtet und fragt zu Beginn der Stunde den Zustand und das Schmerzlevel ab – streicht einige Dinge vom Plan und fügt neue hinzu und legt jedes Mal 5 Kilo mehr drauf. Nach kurzer Zeit kannst Du einen körperlichen Erfolg frststellen, der dich trotz anhaltender Schmerzen motiviert, weil du siehst, dass sich wirklich was bewegt und das Gefühl nach einer Trainingsstunde umschreibst sich am besten mit: “Tot aber glücklich” und wenn Du am Abend die Arme nicht mehr hochbekommst und alles schmerzt, weisst Du, dass es Dir am nächsten Morgen besser gehen wird. Auch das ist Motivation.
Um es mal ganz deutlich zu sagen – eine Trainerstunde kostet hier 15 € x 2 die Woche plus 50 € Mitgliedsbeitrag – das ist weniger als ich im Monat allein für Kippen raushaue. Warum Studios mit Personal Training nicht offensiver werden – also ier zumindest – ist mir ein Rätsel. Danach werde ich das nächste Mal fragen … Dazu kommen 15 € im Monat für Mega-Proteine, die hilfreich sind bei der Muskelregeneration und für den Muskelaufbau und wenns besonders schlimm ist, hoch konzentrietes Flüssig-Magnesium – beides unterstützt – so mein Gefühl.
Ich kann nur jedem raten, der erste Anzeichen zeigt, das in Angriff zu nehmen, um sich erst gar nicht – eines Tages – mit chronischen Schmerzen auseinander setzen zu müssen.
9. monster.mauli | 22.04.2009 um 07.59
WoW – schöne Zusammenfassung.
Ich seh’s schon kommen, wenn K.’s Waschmaschine getragen wird, werd’ich zusammenbrechen und Master D. lacht sich ins Fäustchen!
und ich sehe mit Freude, wie Du Gefallen daran findest, Dich zu quälen und danach ein Glücksgefühl bekommst. Und irgendwann wirst Du feststellen, daß sich das “unendlich” steigern lässt.
Ich wünsche Dir die Erfahrung zu machen, Leistung zu bringen, ausgepowert sich zu fühlen, trotzdem weiterzumachen und danach überglücklich festzustellen, daß Du dann noch immer nicht weißt, wieviel Dein Körper TATSÄCHLICH zu leisten vermag.
Es geht immer noch ein Stückchen mehr – auch dann, wenn man es sich nicht vorstellen kann.
10. Monstropolis&hellip | 26.07.2009 um 12.51
Schweiss ist, wenn die Muskeln weinen…
Nach wie vor am Ball!
35 Trainerstunden – Paradoxe Reaktionen
Seit meinem letzten Bericht sind tatsächlich drei Monste vergangen und so mancher wird sich gedacht haben, dass ich das Projekt längst an den Nagel…
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