


Neuer Estrich im Hausflur
und sie müssen weichen
verschleppt von den Arbeitern
liegen sie da in der Ecke
unbeachtet
und nicht einmal
mit Füß getreten
die Fußmatten.
Die Arbeiten sind erledigt
ihre Schwestern
liegen wieder akurat
vor den Wohn-Einheiten
nur sie liegt
achtlos
von den Arbeitern
in den Flur gelegt da
und wartet darauf
zurückgebracht zu werden.
Tage und Nächte vergehen
und sie liegt noch immer da
keiner der sie nach Hause holt
ihr Besitzer geht
wie alle anderen
achtlos an ihr vorbei.
Heute Morgen war sie weg
der Blick schweift ab zur
Wohn-Einheit ihres Besitzers
aber da liegt sie nicht
soviel Stumpfsinn
hat sie
vielleicht
in die Flucht geschlagen?!



gewidmet meiner Tante Marianne † 08.11.2005
der kälteste tag des jahres
an dem wir dich begleiten
auf deinem letzten gang
hin zu deinem mann …
die kapelle wirkt warm
und das nicht nur
weil deine lieblingsblumen dich bedecken
kerzen leuchten
oder viele menschen gekommen sind
die dich alle geschätzt und geliebt haben …
es ist mehr als nur das
da steht ein bild von dir wie du lachst
zu lebzeiten hättest du bestimmt geschimpft
du mochtest keine bilder von dir
vielleicht
weil man ein bild im herzen trägt …
der pfarrer wird in seiner trauerrede
später beweisen
wie genau er uns
der kleinen rest-familie
beim gespräch zugehört hat
und wie unvergleichlich er in der lage war
diese worte, die wir zwischen tränen
preisgegeben haben
zu interpretieren
einfach jeder erkannte dich in seinen worten wieder …
und dann prägte er den ausdruck
sonnen-hände
die tränen konnte ich nicht halten
so trefflich und so einfach
dieser ausdruck für dein wesen …
und als wir am grab abschied nehmen
vater und sohn wort- und blicklos aneinander vorbei gehen
andere sich weinend umarmen
und die angst vor dem sterben in vielen augen steht
bin ich froh …
… froh über das bild
das in meinem kopf entsteht,
wenn ich an die
sonnen-hände
denke und daran
dass du nun bei deinem mann bist
den du so geliebt hast …
während viele menschen alleine nach hause gehen
weiss ich
du bist nicht allein und immer in meinem herzen …



manchmal
sind die tage
so lang …
da sitzt der mensch
und wartet
auf ein ereignis …
oft wartet er
am abend noch
traurig …
er nimmt sich vor
selbst initiativ zu werden
doch dann …
sitzt er wieder da
und wartet
auf ein wunder …
wunder kann nur er
selbst vollbringen
weiss er doch …
denkt er sich
und sitzt wieder da
und wartet …



gestern nacht
war er wieder da
der blutmond
in mir?
verebbt
die schreie
derer
die klagen
hass und finsternis
schwarzes licht
die schatten sind da!
vertreib sie!
ruft es
laut und grollend
vertreib sie!
wohlig
das schwarze licht
gibt
geborgenheit
wie kann das sein?
da
spuren
folgen
verharren
eisiger wind
will
hindern
folgen
kämpfen
endlich
dämmerung …



Schweissgebadet
gehetzt
Herzklopfen
zunächst keine Orientierung
Licht
03:24 Uhr schimmert die Anzeige des Weckers
die Augen schliessen
Bilder sind noch frisch
Vergessen setzt bereits ein
die gegenüberliegende Wohnung
ein Flur - viele Meter lang
fahles Licht
viele Zimmer gehen ab
an jeder Ecke steht ein kleiner alter Mann
grinsend
Verwirrung
schwerbewaffnete Polizei stürmt herein
und an mir vorbei
infernalischer Lärm
Stimmengewirr
Schüsse
ein Kind weint und mehrere Hunde bellen
ich flüchte in den Hausflur
Nachbarn stehen in Bademänteln herum
sie tuscheln und zeigen mit dem Finger auf mich
keiner will mir sagen, was hier vorgeht
ich gehe nach draussen vor das Haus
vier Mannschaftswagen fahren vor
seltsamerweise keine Verwunderung darüber,
da das Haus nur zu Fuss erreichbar ist
von drinnen sind Schreie zu hören
weitere Einheiten der Polizei rücken ein
ich öffne meine Wohnungstür
ein Flur - viele Meter lang …



pechschwarz
die seele
pechschwarz
seine gedanken
pechschwarz
die nacht
pechschwarz
die zukunft
pechschwarz
die vergangenheit
pechschwarz
die gegenwart
pechschwarz
seine lippen
pechschwarz
ihre haut
pechschwarz
all die augen
was bleibt?



sein bild
daemonen
fressen sich
in seinen kopf
erst dunkelheit
dann
er windet sich
versucht zu fliehen
schweiss rinnt
zur mitte seines körpers
und vermischt sich
mit dem blut
erwache
gellt es durch den kopf
schlafe
beruhigt ihn die stimme
die stille ängstigt
weit aufgerissen
seine augen
nichts kann er mehr sehen
die dunkelheit
erstickt ihn fast
wieder schreckt er hoch
schlafe
beruhigt ihn die stimme
schlafe …
der stimme folgend
sein kissen ist nasskalt
zurück bleibt
sein körper
sie erwarten ihn bereits
zurück im nichts …



verloren
im Gedanken-Konstrukt
ohne Wahrnehmung
von aussen
Irrungen
als Realität
ausserhalb
normal
innerlich
ohne Persönlichkeit
in dunklen Abgründen
suchend
ängstlich
bohrend
eingeschlossen
Wege münden
erneut
in Labyrinthe
fallend
krallen sich
Finger
ins Nichts
am Boden
weitere Wege
alle führen
nur nach
unten
zurück ins
Nichts
verloren …



lange flure
voller menschen
voller leid und qual
selten
ein fröhliches gesicht
keiner
sieht dem anderen
in die augen
vielleicht
weil sich dort
die eigene angst
wiederspiegeln könnte …
die angst nämlich
die sich wie ein kreisel
durch den eigenen kopf bewegt
die angst
die den mund
verschliesst
die seltsam ruhig und klar
vor dir steht
wie eine wand
imaginär wohl
aber gleichzeitig
unüberwindlich …
die angst
verkriecht sich nicht
sie versteckt sich nur
und wartet …
… wartet
bis ihre chance kommt
zu übermannen
zu quälen
allgegenwärtig zu sein
gefangen zu nehmen
und
nie wieder
loszulassen …



Hey Willi,
soviele Jahre sind wir zusammen
hatten viel Spass
hatten Höhen und Tiefen
gemeinsam Spass und innige Erlebnisse
Aber seit Monaten
machst Du nur noch Schwierigkeiten
fügst mir Schmerzen zu
lässt mich traurig sein
tust so, als würdest Du Dich bessern
nur um mir dann
erst recht
Schmerzen zuzufügen
Du zeigst Dich resistent
gegen jede Art der Intervention
tust als seien Ansprache und Zuspruch
nichts wert
keine ernstzunehmenden Reaktionen
kommen von Dir
Am Morgen der erste
und am Abend der letzte Gedanke
an Dich
und doch quälst Du mich weiterhin
Zwischen Depression und Schmerz
rufe ich Dir zu:
Ich hasse Dich!




es ist wieder soweit
ein tag liegt hinter
die nacht aber
liegt vor ihm
wie er sie hasst
die nacht
“keiner ist so einsam wie der,
der nicht schlafen kann”
daran denkt er
als er um 03:47 Uhr erwacht
schmerzen peinigen seinen körper
nicht liegen
nicht stehen
nicht sitzen
laut und unhörbar
schreit die hülle nach ruhe
der geist aber
ist wach
spirale um spirale
drehen die grauen zellen
vergangenes und gegenwart
verschmelzen mit der zukunft
zu einer fratze
kalte augen
sehen ihn an
er schliesst die augen
er hört das kalte lachen
dazwischen schwerer atem
die turmuhr
schlägt vier mal
“du willst schlafen?
dann ergib dich mir!”
es wäre so einfach
zu rufen:
“ja ich will!”
er hat sich entschieden
zu schweigen
zu leiden
weil …
- er es war
- er die ursache kennt
- er den weg gegangen
… der so leicht war
für alles
bezahlt man eines nachts …

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