… dann ist nicht etwa meine DVD-Sammlung der Auslöser, sondern vielmehr die Warteschlange beim zugegeben besten Bäcker in Monstropolis morgen 07:30 Uhr. Vor mir 11 quasselnde Frauen, ein wortkarger Mann und eine Mutter mit drei quängelnden Kindern. Hinter dem Tresen zwei hektische Verkäuferinnen - das Bild ist geprägt von Morgenkleidung, schlecht sitzenden Frisuren, Mundgeruch, ausgetretenen Schuhen und vor allem durch Lärm wie auf dem Basar. Die Frauen kennen sich untereinander zumeist - da dauern Bestellungen während des Palavers über das heute Mittagessen schon mal länger und der Rest steht sich die Füsse in den Bauch. Nach ca. 10 Minuten habe ich Aussicht, nach den beiden Mädelz vor mir endlich Brötchen bestellen zu dürfen. Die aber kaufen nicht nur en masse Brötchen oder Brot (wer das wohl alles isst?) - nein - natürlich auch Kuchen für den Mittags-Café. Mit ihren Fettfingern drücken sie dabei gerne mal auf die Scheibe und fragen: “Was ist das denn? Ah ja … und was ist das? Ach das darf mein mann nicht essen. Was ist da drin? etc. pp. Auf jeden Fall kann man die Mädelz auch draussen auf der Strasse noch hören - ihre überlauten Stimmen sind ätzend.
Es gelingt mir nur mit Mühe, den aufsteigenden Aggressions-Reflex zu unterdrücken. Als sie dann endlich mit “Das war’s!” auf die Frage: “Darfs noch was sein?” antworten, entspanne ich mich wieder merklich. Nun gehts aber zur Sache - aber nicht bei mir - denn - es gibt ja Bäckerei-Bonus-karten für Einkäufe über 5 Euro - und nein - die Punkte kann man nicht splitten - und ja - das Kärtchen kann nach einer Ewigkeit nicht gefunden werden - dann gibts einen Bon und dann beim nächsten Mal. Ich ziehe die Luft hörbar ein und als dann die Bemerkung kommt: “Warten Sie ich habs passend!” und die beiden Mädelz in ihren Geldbeuteln, die aus ausladenden Handtaschen gezogen werden anfangen, Kleingeld rauszusuchen, da habe ich die Mordgier in den Augen. Der kleine Mann in meinem Ohr flüstert erst leise und dann immer lauter:
Und als die gute Frau dann nach einer gefühlten Stunde mitteilt, dass es doch nicht reicht mit dem Kleingeld und einen Euro-Schein herauskramt, entfleucht mir zischelnd: “Warum nicht gleich so?” Angriffslustig ruckt ihr Kopf herum und ich bin mir sicher, dass mein irrer Blick dafür sorgte, dass sie keinen Ton sagte. Jedes Wort hätte ein Erdbeben zur Folge gehabt. Endlich trollt sie sich und ich warte - Gott sei Dank vergeblich - auf die Mitteilung der Verkäuferin, dass meine Lieblingsbrötchen nun gerade aus sind …
“Anti-Raucher-Vorstoß im kalifornischen Belmont: Einem Beschluss des Stadtrats zufolge ist das Qualmen in den eigenen vier Wänden in Zukunft verboten. Ein selbst in den Staaten einzigartiger Versuch, Nichtraucher zu schützen.” (Artikel)
Hätte K nicht am frühen nächsten Morgen den D erwartet, so wäre der auf dem Küchentisch stehende Teller mit eingedickter, allmählich versauernder Kartoffelsuppe zunächst noch einige Tage stehen geblieben, bis er sich über die zweckmäßige Art der Entsorgung vollends im Klaren gewesen wäre. So aber drängte die Zeit. Da die Toilette frisch geputzt war und das Fenster als Entsorgungsmöglichkeit mit Rücksicht auf die Gefahr der Entdeckung durch zufällige nächtliche Beobachter ausschied, goss K die Suppe behutsam auf die oberste Schicht des im Mülleimer befindlichen Unrats.
Dort befanden sich beim Eintreffen der Suppe:
Abgerissene Zigarettenhüllen der Marke „Giant“
Notizzettel unterschiedlicher Größe und Herkunft
Organischer Abfall in Form von Apfelschalen und Kerngehäusen
3 Eierschalen (leer)
1 leere Plastikverpackung von LIDL-Gouda (mittelalt)
1/2 Klageschrift
2 leere Tabaksbeutel der Marke „Savoy“
1 Herrensocken
2 Rechnungsentwürfe
1 Kunststoff-Innenverpackung einer 12er-Packung Choko-Softies
1 altes blaues Putztuch
ca. 7 Kaffeefilter
1 leere Milchdose (gefaltet)
2 Batterien vom Typ AAA
1 leere Plastiktüte
Zigarettenstummel und -asche
1 Schreiben der Zahnärztin
1 Marmeladenglas, teilweise gefüllt
sowie sonstiges.