Wirtschaftskunde für Anfänger
3 monster.senf 16.10.08 - 12:46 von MJoe
Mein Liebster und ich haben uns vor rund drei Jahren, als die Wirtschaft so am Boden lag, daß Immobilien billigst und die dazugehörigen Finanzierungen noch billiger zu haben waren, dazu entschlossen, ein Haus zu kaufen.
Wir wollten ein Nest für unsere zukünftige Kükenschar.
Seitdem bekommen wir mit beinahe beständiger Regelmäßigkeit nette Briefchen von der Bank, die uns mitteilt, daß die Kreditzinsen um 0,125% oder gar 0,25% angestiegen sind. So im Schnitt alle 6 bis 8 Wochen einmal, das erhöht sanft aber stetig den Geldstrom zur Bank.
Denn schließlich war die Wirtschaft im Aufwind und - so wie die österreichische Wirtschaftskammer als Werbeslogan erwählt hat - geht es der Wirtschaft gut, geht es allen gut.
Inzwischen geht es der Wirtschaft gar nicht mehr gut, sie liegt quasi um luft keuchend am vollgekotzten Boden. Dieser doch leicht beunruhigende Umstand hat zur Folge, daß der europäische Leitzinssatz um ganze 0,5% gesenkt wurde.
Für irgendwas muß so eine Krise ja gut sein!
Heute befand sich in meinem Postkasten ein Brieflein von der Bank. Voller Freude machte ich das Kuvert auf, in der guten Hoffnung, daß auch für unsere Finanzierung die Zinsen gesenkt worden wären.
Das Lächeln erstarb mir auf dem Gesicht, als ich las, daß der Zinssatz um 0,7(!)% erhöht (!!!) worden war.
Aha, so ist das also, wenn es den Banken schlecht geht, dann schröpfen sie einfach Otto Normalverdiener, der brav bis zum Umfallen werkelt, damit er sich seine Existenz leisten kann. Habe ich also wieder etwas dazu gelernt.
Ein Gutes hat die ganze Sach ja: Für das Nest können wir uns inzwischen die Küken nicht mehr leisten, mein Liebster und ich haben also schön Platz für uns, den wir nicht teilen müssen. Wenn bloß das Echo der Verzweiflung in den leeren Räumen nicht so laut hallen würde….
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