Tagestext 06.03.2008

4 monster.senf 06.03.08 - 23:36 von K.

Auf dem Küchentisch stand ein tiefer Teller, der bis oben hin gefüllt war mit gekochten Hühnerflügeln, die die Grundlage für die morgige Suppe bei K bilden und darin als Fleischeinlage dienen sollten. Mit vor Hühnerfett triefenden Fingern ergriff er einen gekochten Flügel nach dem nächsten. Sein Daumen und Zeigefinger fuhr genau am Knochen entlang und löste zunächst das Gemenge aus glitschiger, leicht klebriger Haut, Muskeln, Knorpelmasse und feinen bräunlichen Adern heraus, um im nächsten Arbeitsschritt die Muskelstränge zu isolieren von dem fettigen Hautmantel und den übrigen Bestandteilen, die als Suppeneinlage ungeeignet waren. Dabei fiel ihm auf, dass das, was zunächst ein größerer Muskel zu sein schien, sich in zahlreiche meist spindelförmige Stränge zerteilen ließ, die an dünnen, aber doch reißfesten Sehnen am Knochen befestigt waren. Bei einem halbrunden Muskel in der Nähe der Stelle, wo der Flügel des Huhns von dessen Rumpf abgetrennt worden war, fiel ihm die Frau ein, die heute am Elternabend neben ihm gesessen hatte und die ihm durch überaus kräftige, fleischige Oberschenkel aufgefallen war. K fragte sich, ob ein Riese, wenn er diese Dame in einem großen Kopf gekocht hätte, ihre Gesäßbacken mit einem ebenso zartem Druck des Daumennagels aus den Knochen herausdrücken würde, wie K es gerade mit jenem halbrunden Muskel des Hühnerflügels tat. Er lächelte wohlwollend bei dieser Vorstellung.


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