Tagestext 04.01.2008
8 monster.senf 04.01.08 - 01:23 von K.
Dort, wo die Straße eine Biegung machte, lag am Straßenrand ein Heiligenbild. K hob es auf und roch daran. „Eine schlechte Angewohnheit“, dachte er, „an Dingen unbekannter Herkunft zu riechen“. Die Straße führte aufwärts weiter ins Gebirge, der Baumbewuchs nahm ab. Als hinter einer Bergkuppe eine Gestalt sichtbar wurde, die ihm langsam entgegen kam, steckte K das Bild hastig in die Hemdtasche. Jetzt erst fiel ihm auf, dass er es stundenlang in der rechten Hand gehalten hatte. “Es besteht kein Grund, sich vor wandernder Kleidung, in der kein Mensch steckt, zu fürchten”, beruhigte sich K. Dennoch konzentrierte er sich, als die Gestalt auf der anderen Straßenseite vorbeiging, darauf, den Blick nicht von der weißen Markierung am Straßenrand abweichen zu lassen. Auch betonte er jedes einzelne Wort des sicher und leise rezitierten Rosenkranzes, bis die Gestalt aus dem äußersten Rand seines Blickfelds verschwunden war. K ging weiter, ohne sich umzudrehen, kalter Wind kam auf und wehte widerstandslos durch ihn hindurch, ohne dass er fror.
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