Tagestext 07.02.2008

6 monster.senf 08.02.08 - 00:28 von K.

Ein Menschenkörper aus weichem Kunststoff und mit übergroßen Händen steht gegen Mitternacht mit eingezogenen Schultern vor dem Schaufenster des Elektrogeschäfts. Der Blick geht die Hose entlang nach unten, bis dahin, wo irgendwo in gebirgsschluchtartiger Tiefe seine Schuhe auf dem Boden stehen. Das sind also die Ausmaße meines Menschenkörpers, hört sich das Hirn des Menschenkörpers wie von außen zu sich selbst sagen. Weiße und rote Lichter vorbeifahrender Autos, rote, gelbe und grüne Lichter einer Ampel spiegeln sich in der Fensterscheibe. Reglos steht die Gestalt da, und die Zeit steht nicht still, sondern es gibt sie nicht. Sie sieht nicht auf den großen Flachbildschirm, sondern starrt daneben, weil die Haltung des Kopfes diese Blickrichtung eben zufällig so vorgibt, und weil sich nichts ändern lässt, die Kopfhaltung nicht und die Blickrichtung nicht und die Gedanken nicht, weil es keine Gedanken gibt. Sie starrt auf einen ausgestellten Kühlschrank mit Preisschild, dessen Tür einen Spalt weit geöffnet ist. Der Menschenkörper aus weichem Kunststoff starrt auf seine übergroßen Hände, die nicht dazuzugehören scheinen, die sich aber bewegen lassen, geradeso wie eigene Hände sich bewegen lassen. Die rechte Hand dreht sich marionettenhaft nach oben. Die rote Zigarettenglut hebt sich scharf konturiert vom Dunkel ab und trifft auf die Innenfläche der anderen Hand, der linken Plastikriesenhand. Die Gestalt hebt den Kopf, betrachtet ihr Spiegelbild im Schaufenster und erkennt wie von ganz fern und wie durch dichten Nebel hindurch sich: K.


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