citizen.x ~ auf reisen V

monster.senf abgeben 26.06.05 - 14:14 von citizen.x

Mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein, missfiel citizen.x seit einiger Zeit. Das lag letzendlich nicht nur am horrenden Benzinpreis, der innerhalb von 24 Stunden schonmal um 8 Cent differieren konnte - das hatte es zu D-Mark-Zeiten nie gegeben - sondern auch daran, dass er langsam in das Alter kam, wo lange Autofahrten anstrengend wurden.
 
Gerade war am Autobahndreieck Richtung Monstropolis City abgebogen, als sein Blick auf die Autobahnschilder fiel …
 


 
“Ja Du bist müde” dachte er … “unendlich müde” … Seltsamerweise verschwendete er keinen Gedanken daran, dass es sich hier bereits um eine, offenbar müdigkeitsbedingte, Halluzination handeln könnte, sondern liess es für einen Moment zu, dass sich seine schweren Lider zur vermeintlichen Entspannung schlossen …
 
Das nächste Bild das er sah, war das einer Klinik, als die Sanitäter ihn eiligen Schrittes, auf einer Bahre liegend, durch einen langen weissen Gang Richtung Notaufnahme rollten.
 

 
Später dann reichte ihm eine freundliche Schwester im Einzelzimmer des Krankenhauses eine Tageszeitung. Auf Seite 1 fand er einen Bericht über den “Glückspilz des Tages” der, nach Sekundenschlaf, auf der Autobahn von der Fahrbahn abgekommen und sich mehrfach überschlagen hatte und mit mehr oder weniger schlimmen Blessuren von der Feuerwehr aus den Fahrzeugtrümmern
 

 
mittels einer Blechschere aufwendig befreit werden konnte. Dritte kamen bei dem Unfall nicht zu schaden. Zwei Dinge schwor sich citizen.x an diesem Tag: Er würde künftig mehr auf seine Gesundheit und auf irreführende Aufschriften bei Autobahnschildern achten …
 
Alle geistreichen Betrachtungen & Reiseberichte von citizen.x auf einen Blick :-)


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citizen.x ~ auf reisen IV

monster.senf abgeben 15.06.05 - 09:15 von citizen.x

Zwischen der düsteren Eingangstür zum
 


 
und dem
 

 
das seine Dienste heute günstig anzubieten schien, wurde citizen.x auf eine interessante Apothekenwerbung
 

 
aufmerksam. Er nahm auf einer gegenüber gelegenen und leider sehr unbequemen Metall-Bank
 

 
Platz, um sich einen Eindruck darüber zu verschaffen, wie diese Apotheke frequentiert wird und ob diese Art von Werbung vielleicht auch eine andere Art von Kunden anlockt. Während er auf dieser harten und unnachgiebigen Bank noch eine schmerzfreie Sitzposition suchte - anscheinend ist die Stadt nicht daran interessiert, dass Menschen hier länger sitzen - trafen die ersten Kunden ein. Die elektronische Schiebetür hatte bereits nach kurzer Zeit viel zu tun und ihr Ächzen war deutlich zu hören.
 
Nach ungefähr einer Stunde wurde klar, dass es sich hier um einen echten Kundenmagneten handelte, denn in dieser Zeit schritt weder durch die Tür zum Gotteskeller noch durch die Tür zum Freundehaus auch nur ein einziger Mensch. citizen.x dachte an die neuerlichen Äusserungen der Gesundheitsministerin, die u.a. die weiter steigenden Kosten für Arzneimittel reklamierte und sah diese Meinung spontan bestätigt. War der Mensch nun wirklich so krank? Konnte er nur ohne seine geliebten Medikamente nicht mehr leben? Torpedierte er damit etwa absichtlich das, ohnehin marode, soziale System? citizen.x beschloss sich einen persönlichen Eindruck darüber zu verschaffen, stand auf, wechselte die Strassenseite und betrat die Apotheke.
 
Hektische Betriebsamkeit von insgesamt sechs MitarbeiterInnen an vier Tresen - allesamt ausgestattet mit modernen TouchScreen-Terminals, Warenscannern und, wie citizen.x später feststellte, einem Roboter, der nach der Eingabe des Medikamentennamens und der Dosierung, das Medikament automatisch aus dem Lager an die Kasse befördert. “Whow” dachte citizen.x - sowas gab es in Monstropolis City bisher noch nicht … und ganz kurz überschlug er die Kosten für eine solche sinnvolle und hochmoderne Technik. Dazu kommen Personal- und Lohnnebenkosten, Miete, u.v.m. - was muss dazu wohl verdient werden?
 
citizen.x steuerte auf den Wasserspender zu, nahm einen Pappbecher und einen Schluck kaltes Wasser - wer bitte trinkt denn das warme Wasser, das es am gleichen Spender gab? Dabei verdrängte er schnell den Gedanken an den letzten Bericht im Grusel-TV zum Thema: “Hygiene an Wasserspendern”. Eine überaus freundliche Mitarbeiterin in diesem, für die Berufsgruppe wohl typischen, weissen Kittel beriet gerade eine Kundin über die neue Pflegeserie für die Frau - ph-neutral und naturbelassen soll es sein … Eine ältere, offenbar schwerhörige Frau fragte gerade überlaut: “Seit wann haben sie denn Stopfgarn?” Die verunsicherte Mitarbeiterin liess sich mit spitzem Finger zeigen, was die Dame meint, lächelte dann dieses gütige, nachsichtige Lächeln und erklärte ihr, dass es sich dabei um Probe-Teebeutel einer ganz neuen naturbelassenen Sorte handeln würde. Naturbelassen war überhaupt ein grosses Thema in dieser Apotheke, wenn man sich die Werbeplakate und -aufsteller ansah.
 
citizen.x wollte es genau wissen und reihte sich hinter einer junge Frau in die Schlange ein. Ihre Äusserung: “Guten Tag! Ich bin schlimm erkältet, habe einen neuen Job und brauche das komplette Programm!” brachte Bewegung in die Mitarbeiterin und sie zauberte aus den Regalen hinter sich in Windeseile mehrere Medikamente vor sich auf den Tresen. Die anschliessende Beratung wurde immer wieder durch heftiges Niesen und Schnupfen unterbrochen. Zum Schluss sagte die, offenbar beratungsverwirrte, Kundin: “Packen Sie mir ein was sie für das Beste halten!” Der Warenscanner piepte vergnügt und während die Kundin ohne jedes Zögern 36,81 Euro bezahlte, gab es noch gratis die Apothekenumschau und ein Päckchen zweitklassiger Papiertaschentücher in die weisse Plastiktüte.
 
Als die Dame ihre sieben Sachen endlich zusammenhatte war citizen.x an der Reihe. Er lächelte die Mitarbeiterin an und sagte, er möchte etwas über die “Drogen” wissen, die auf dem Werbeschild der Apotheke erwähnt werden. Die Dame in weiss lief sofort rot an und erklärte, dass sie jetzt nicht recht wüsste, was citizen.x von ihr wollte. citizen.x bat sie mit nach draussen und zeigte ihr das Werbeschild. Ihr Lächeln kehrte zurück und sie erklärte, dass es sich hier selbstverständlich nicht um Drogen handelte, wie sie aus dem normalen Sprachgebrauch bekannt seien, denn schliesslich gab es in diesem Land keine Drogen in der Apotheke, sondern vielmehr handelt es sich hier um eine Bezeichnung aus dem letzten Jahrhundert, die zugegebenermassen irreführend sei. Dann drehte sie sich um und entschwand schnellen Schrittes ins Innere der Apotheke. citizen.x stand da und überlegte, ob dieses Wort wohl aus der Zeit kam, als der Papst, so um 1898, Cola als anregendes Getränk einstufte, weil es damals noch mit Kokain versetzt war oder ob sich das doch darauf bezog, dass das Antidepressivum mittlerweile auf Platz 2 der Verkaufshitliste der Arzneimittelhersteller lag …
 
Er wollte sich gerade wieder in die Apotheke begeben und den Sachverhalt vertiefen, als hinter ihm leises Trommel ertönte.
 

 
Spontan beschloss citizen.x sich der besten, in diesem Falle sogar naturbelassenen und absolut legalen Droge Musik hinzugeben und ging den Musikanten langsam und sehr entspannt nach …
 
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citizen.x ~ Auf der Piste

monster.senf abgeben 10.06.05 - 11:14 von citizen.x

Was sich im Rahmen des aktuellen Comedy-Programms von Dieter Nuhr noch lustig anhören mag, ist auf der Strasse grausame Realität. Sinngemässes Zitat aus seinem Programm: “Wenn man etwas über seine Mitmenschen erfahren will, dann braucht man nicht mit ihnen zu reden. Es genügt, auf der linken Spur der Autoban die korrekte Geschwindigkeit einzuhalten.” Wie recht er doch hat …
 
Nun ist citizen.x ja nicht immer einer der geruhsamsten Fahrer und auch nicht einer, der ohne eines dieser, ohne Zweifel, gefragten Bilder
 


 
durchs Leben gegangen wäre … allerdings hatte er neulich erst ein Erlebnis der besonderen Art …
 
Auf dem Weg nach Monstropolis City fuhr er gemütlich bei Sonnenschein und guter Musik mit der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf der Schnellstrasse. Ein Golf hängte sich mit einem Sicherheitsabstand von der Breite einer zusammengeklappten Tageszeitung an seine Stossstange. Das ging so lange, bis die Gegenfahrbahn endlich frei war und der Golf überholen konnte. Man hat da ja irgendwie ein ungutes Gefühl …
 
Das Fahrzeug scherte vor citizen.x nach dem Überholvorgang wieder ein und auf der Heckscheibe des Golfs konnte er dann in grossen gelben Lettern lesen: “Probiers mal mit Gemütlichkeit” Da möchte man sich oder natürlich auch wahlweise ihm ;) mit der flachen Hand auf die Stirn klatschen und dabei so etwas murmeln wie “Kopfschuss” …
 
Selbstverständlich gibt es auch einen Tipp für Menschen, die ein ganz besonderes Spassempfinden haben und gegen ein ordentliches Bussgeld auch mal ein solches Bild
 

 
in ihrer Sammlung haben möchten:
 
Hier gibt es für wenig Geld das ganze besondere Radarbild mit frei wählbarer Geschwindigkeit und sogar ganz ohne Bussgeldbescheid :)
 

 
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citizen.x ~ auf reisen III

monster.senf abgeben 29.05.05 - 09:35 von citizen.x

citizen.x kauerte auf der Ladefläche des altersschwachen Lastwagens, der ihn am Wegesrand aufgelesen hatte und war froh, seinen Verfolgern entkommen zu sein. Zugegeben - das von der englischen Polizei veröffentlichte Fahndungsphoto
 


 
zeigte alles oder nichts - je nachdem aus welchem Blickwinkel heraus man es betrachtete … Angeblich wollte man darauf aber ihn, citizen.x, als denjenigen Anarchisten erkannt haben, der für die folgende Meldung in der Weltpresse sorgte:
 
“Die große Uhr von Big Ben, dem Glockenturm des britischen Parlaments, ist am Freitagabend für über eineinhalb Stunden stehen geblieben. Wie die “Times” berichtete, stoppte der Minutenzeiger des riesigen Zifferblatts zunächst um 22.07 Uhr, setzte sich dann noch einmal für 13 Minuten in Bewegung, doch verharrte anschließend 90 Minuten lang bei 22.20 Uhr. Dann brachten die Uhrmacher Thwaites & Reed, gegründet 1740, die Uhr wieder in Gang. Die Ursache für den Fehler war zunächst nicht bekannt.
 

 
Die Uhr von Big Ben wird von der britischen Presse als eine der verlässlichsten der Welt beschrieben. In 146 Jahren soll sie nur vier Mal falsch gegangen sein, unter anderem 1949, als Stare auf dem Minutenzeiger saßen, und 1962 bei starkem Schneefall. Die Bombardierung Londons im Zweiten Weltkrieg konnte Big Ben dagegen nicht aus dem Takt bringen.”
 
Der Lastwagen hielt an, der Fahrer nuschelte etwas Kurzes & Unverständliches, während er citizen.x mit einer herrischen Geste bedeutete, dass die Fahrt zuende war. citizen.x klopfte sich den Staub von Mantel und setzte sich Richtung Sonnenuntergang in Bewegung …
 
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citizen.x ~ auf reisen II

monster.senf abgeben 27.05.05 - 20:35 von citizen.x

Während citizen.x wie hypnotisiert auf die Tür starrte

überlegte er, was er wohl tun sollte. Er nahm auf der Bank hinter sich Platz und nippte an einer dieser neumodischen Trinkflaschen,

wie sie jetzt fast Jeder mit sich herumtrug. Während er auf dem Ausguss der Flasche herumkaute, fiel sein Blick auf das gelbe Schild, das einige Meter von der Tür entfernt an der Wand hing …

Er stand unverrichteter Dinge auf und folgte dem Pfad, der ihm nunmehr vorgeben war …

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citizen.x ~ auf reisen

monster.senf abgeben 20.05.05 - 12:52 von citizen.x

Während citizen.x an der Haltestelle

Haltestelle

wartete, traf er auf einen Dreijährigen, der ihm die Wartezeit versüsste, in dem er ihm haarklein erklärte, was ein Mutant

Mutant

und einem “Alieon” ist. Ausserdem wies er citizen.x eindringlich darauf hin, dass er, im Gegensatz zu ihm, platte Haare habe und dass man den grauen resp. weissen Haaransatz trotzdem sehen würde. Dann trollte sich der schlaue kleine Mann in Richtung

Engelsgrube

und citizen.x dachte bei sich: “Genau der richtige Ort für so einen kleinen blonden Engel” …

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