‘Individualität hat ihren Preis’ - und das wohl in jeder Hinsicht. In jedem Fall war das der Leitspruch des Tages an diesem Samstag. Sie & Er waren schmerzgepeinigt (Arthrose, Bandscheiben-Protrusion, etc. pp.) zwei Ortschaften weiter im Möbelhaus ihres Vertrauens eingelaufen mit der irrigen Meinung, zwei Fernsehsessel nach Omas Vorbild, auf denen man gut und komfortabel am Abend vor dem Fernseher sitzen kann, wären zu einem annehmbaren Preis zu haben. Das Wiesel (Verkäufer mittleren Alters, 170 cm gross und hektisch in Sprache & Bewegung) stellte schnell klar, dass der gemeine Hersteller von TV-Sesseln für den Durchschnitts-Kunden produziert. Der ist wohl - hier erinnert man sich gerne an die Durchschnitt-Maße der Kleidungsindustrie bei denen 3XL zwar vorzeltbreit ist, aber den Träger trotzdem bauchnabelfrei auf die Piste schickt - so um 175 cm gross, 70 Kilo schwer und ganz normal proportioniert. Alles was ausserhalb dieses Maßes liegt erfordert Individualität - vor allem dann, wenn es auch noch (schlimm oder) zwei annähernd gleich aussehende TV-Sessel sein sollen. Vor einigen Jahren wurden im gleichen Möbelhaus eine Drei- und eine Zweisitzer-Couch eines namhaften Herstellers erworben, die insgesamt 1.750 Euro gekostet hatten. Ergo war ein Preis im Kopf, der sich in dieser Region bewegen sollte. Irgendwann fragte das Wiesel nach der Preisvorstellung und kriegte sich minutenlang nicht mehr ein, als er sie dann hörte. Ob vor Freude über seine in Aussicht stehende Provision oder aber die Naivität seiner momentanen Kunden, konnte so genau nicht ausgemacht werden.
Taktisch klug führte er seine Interessenten (” … also der würde ja für sie passen, aber für ihn so gar nicht …”) an den Mercedes Benz unter den TV-Sesseln heran. Schnell war klar, dass hier jeder von den Beiden ’seinen’ Stuhl gefunden hatte - und ja - die kann man mit Ausnahme der Kopfstütze für den Herrn, den die Frau nicht braucht, gleich aussehen lassen. Für sie die Grösse ‘S’ und für ihn in ‘M’ mit Erhöhung des Bodenrings, und dem gleichen Design verbunden mit strapazierfähigem Microfaserstoff - macht zusammen 3.750 Euro bei einer Lieferzeit von ca. 12 Wochen - wird also noch kurz vor Weihnachten geliefert, wenn sie ihn gleich bestellen … Ein Schnäppchen quasi und das Wiesel konnte sich mit Müh und Not das lange Gesicht ersparen, als die Beiden sagten, dass sie sich das erst einmal gut überlegen müssten. Er beeilte sich auch zu erklären, dass der Hersteller, als die Nr. 1 am Markt, in keinem anderen Möbelhaus in Germoney dafür andere Preise machen würde. Er wiederum verkniff es sich zu antworten, dass man(n) sich früher mit 7.500 DM (alt genug ist er um noch so um-rechen zu dürfen) ganze Wohnungen eingerichtet hatte
Aber wenn sie schon mal da waren und bevor die Schmerzen wieder überhand nahmen, besuchten sie noch die ‘Speisezimmer-Abteilung’ - eine bequeme neue Eckbank und ein grösserer Tisch und ein paar Stühle mehr, wären auch nicht schlecht. Auch hier war schnell ein Verkäufer zugegen - angenehm ruhig - mit eindeutig amerikanischem Akzent und einer Stimme die der deutschen Synchronstimme von Dr. House nicht unähnlich war. Er hörte sich an, was seine Kunden wollten und zeigte dann, was in der Richtung in der Ausstellung stand. Er hatte sofort ’seine’ Eckbank gefunden - Echtholz, cremefarbene, angenehm geposterte Bezüge, Sitztiefe und angeschrägte Rückenlehne passten perfekt. Der Blick auf den Preis entsetzte nicht, dafür aber die Mittelung des Verkäufers, dass es diese Eckbank nur im hier präsentierten Maß 2 x 3 Meter gibt. Trotz schöner Wohnküche ist das Maß indiskutabel. Ergo ist auch hier Individualität angesagt und er führt die Beiden zur ‘Zentimeter-Eckbank’ - die gibt es in bestimmten Grenzen in jedem gewünschten Maß und kostet immer gleich. Ergo sind 164 x 181 cm kein Thema - und der Preis für diese individuelle Maßanfertigung liegt mit 1.350 Euro eigentlich auch im Rahmen. Sitztechnisch angenehm … Lieferzeit trotz Maßanfertigung bei ca. 6 Wochen - sehr schön. Aber dazu braucht es dann ja auch einen Tisch … ja auch maßgefertigt, damit der zu den Individualmaßen der Eckbank passt - Moment … rechnet und rechnet … 1.050 Euro … oh ha … vier Stühle … 1.300 Euro … - zusammen bei Anzahlung nochmal 5% Abzug … ca … 3.600 Euro.
Individualität hat eben ihren Preis denkt er sich, während er sich zurücklehnt, sich vom mehr oder weniger individuellen Sound aus dem WLAN-Radio (hören gerade immerhin nur 149 Leute weltweit sagt die Squeezebox - sollte damit als individuell durchgehen) und freut sich insgeheim darüber gerade mal > 7.000 Euro durch Konsumverweigerung gespart zu haben - schwacher Trost - aber immerhin …
Exklusiv für Monstropolis - die neue Geschichte von atengo.dexter. Aufgrund der lebhaften Diskussion zu seiner ersten Geschichte mit dem Extra-Button “Will ich mir das wirklich antun?” versehen
Da sitzt sie vor mir. Dunkle, schulterlange Haare umrahmen ihr Gesicht. Sie wird sterben. Warum? Das ist für mich unerheblich. Man sagte mir, ich soll sie töten, mit einem Schwert. Das Ding, das sie Schwert nennen verdient den Namen nicht. Es ist zirka zwei Ellen lang, hat einen rhombusähnlichen Querschnitt, eher einem Florett nachempfunden. Und damit soll ich ihr den Kopf abschlagen? Dass ich nicht lache. Na gut, einen Versuch gebe ich uns. Ich greife das „Schwert“ mit beide Hände, nehme Maß, hole aus und schlage zu. Das Ding dringt mit der Klinge ungefähr einen Finger breit in Ihren Hals. Sie gibt einen dumpfen Laut von sich, kein Klagen, kein jammern. Braves Mädchen. Sie weiß, dass sie sterben wird, so oder so. Mit diesem Ding kann ich meine Arbeit nicht vollenden. Dann doch auf die gute alte Art, Handarbeit. Schnell und effizient. Das hat sie verdient. Sie blutet aus der klaffenden Wunde. Nichts dramatisches, ich habe kein großes Blutgefäß getroffen.
Wo ist mein Messer?
Ich habe es selbst entworfen, nachdem ich es in einem Traum gesehen habe. Diese Form ist einmalig. Es ist einer Streitaxtklinge nicht unähnlich. Einer Streitaxt, wie sie die Zwerge verwendeten. Nur das der Messergriff kurz hinter der Klinge ansetzt. So kann mehr Druck auf die Klinge ausgeübt werden, was die Schnitttiefe vergrößert und somit beim ersten Schnitt mehr Strukturen durchtrennt werden. Dadurch ist oft kein zweiter Schnitt nötig und es braucht weniger Kraft für das selbe Ergebnis, im Vergleich zu herkömmlichen Klingen. Ich habe es nun in meiner Hand. Ich stelle mich dicht hinter sie. Ihren Kopf lehnt sie an meine Brust. Mit der linken Hand fixiere ich ihre Stirn. Mit der rechten vollziehe ich den Schnitt quer durch ihren Hals. Das Geräusch, das dabei entsteht klingt als ob ein Steakmesser durch ein saftiges Rindersteak schneidet. Es wird zuerst die linke Halsschlagader, dann die Luftröhre und dann die rechte Halsschlagader durchtrennt. Das Blut fließt schnell aus der Wunde. Ich spüre ihr warmes Blut auf meiner Haut. Ich habe einen Eisengeschmack im Mund. Sie röchelt noch ein letztes Mal. Ich halte ihren Kopf, bis alles Leben aus ihrem Körper gewichen ist. Dann lass ich sie in sich zusammen sinken.
Es ist dunkel. Es ist still. Wo bin ich? Ich kann mich nicht bewegen. Es riecht muffig. Ich schnalze mit der Zunge, um die Grenzen des Raumes auszuloten, in dem ich mich befinde. Es klingt, als wäre der Raum sehr klein. Ich liege auf dem Rücken. Was ist mit mir passiert? Mir schmerzt der Rücken. Wie lange liege ich hier schon? Wie spät ist es? Warum ist es so ruhig? Ich muss schon sehr lange hier liegen. Mir sind die Beine eingeschlafen. Ich spüre sie nicht. Na, das werden tolle Schmerzen, wenn wieder Leben in meine Gehwerkzeuge kommt. Was ist mit meinen Armen, auch die kann ich nicht fühlen. Ich muss tief geschlafen haben. Oder war ich etwa betäubt. Warum sollte ich betäubt gewesen sein? Ich habe auch keinen Alkohol getrunken, also ein Vollrausch scheidet auch aus. Sonst hätte ich wohl auch Kopfschmerzen. Der Kopf liegt hart.
Ich bewege ihn von links nach rechts. Au, ich stoße an beiden Seiten an. Es klingt hölzern. Bin ich eingesperrt? Warum? Wer sollte mich einsperren und warum? Ich habe niemanden etwas getan. Warum kann ich meine Extremitäten nicht spüren? Mich wird doch niemand lebendig begraben haben. „Hallo, kann mich jemand hören“ Ich bin in einem Holzverlies eingesperrt und ich kann mich nicht bewegen. Scheiße, was zum Teufel ist hier los? Lieber Gott, lass es nur ein Albtraum sein, bitte, bitte! Ich würde mich ja kneifen, aber ich kann mich nicht bewegen. Scheiße scheiße scheiße. Es ist kalt. Ich puste mal über meine Brust. Ich merke den Lufthauch deutlich auf meiner Haut. Auf meiner Haut? Ich habe keine Kleider an. Wo ist meine Kleidung? Wer hat mich ausgezogen und warum? Warum ist es so still. Steht mein Verließ in einem Keller? Warum bin ich hier. Diese Ungewissheit macht mich verrückt. „Ich will hier raus“ Ich schreie aus voller Kehle.
Da, ich höre etwas. Still, nicht atmen, um besser hören zu können. Es ist wieder weg, das Geräusch. Es klang wie ein leises Kratzen. Nein, bitte keine Ratten. Ich hasse Ratten. Seit mich eine Mal gebissen hat, hasse ich diese Viecher. Ich habe mal gehört, dass diese Nager sogar auf ihre Fressfeinde losgehen, Katzen oder Hunde, um diese zu fressen. Wenn sie sich zusammenrotten, fressen sie alles, was sich bewegt. Bitte, keine Ratten! Wer könnte mich hier eingesperrt haben und warum? Ich muss mal. Ich liege hier, kann mich nicht bewegen und muss pinkeln. Was mach ich nur? Vielleicht kommt ja gleich jemand, dann hat das hoffentlich ein Ende und ich komme hier wieder raus. Das wird schon schlimm genug, wenn meine Arme und Beine „aufwachen“. „Hilfe, kann mich jemand hören?“
Also gut, ganz ruhig. Noch mal in aller Ruhe die Lage überdenken: Ich liege offensichtlich in einer Holzkiste in einem Raum, es riecht nicht nach Erde, also nicht irgendwo vergraben. Ich bin nackt und kann mich nicht bewegen. Was ist hier los? Ich kann nicht mehr liegen, ich muss mich in eine andere Lage bringen. Ich versuche mich auf die Seite zu drehen. Irgendwie geht das nicht. Was riecht hier so seltsam? Ich habe das schon mal gerochen. Nachdem ich Nasenbluten hatte. Altes Blut! Warum riecht es hier nach altem Blut. Was für Blut? Mein Blut etwa? Und warum? Scheiße, ich habe Angst. Was ist mit mir passiert?
Da, ich höre wieder etwas. Rascheln. Doch Ratten? Haben diese Viecher etwas mit meinem Zustand zu tun? Unmöglich. Da, ich höre wieder etwas. Schritte. Schwere Schritte. Plötzlich und langsam hebt sich der Deckel meines Gefängnisses. Grelles Licht. Da steht ein Mann. Ich kenne ihn nicht. Er trägt einen Bart. Er hat eine Axt in der Hand. Ich kann an mir herunter gucken. Ich bin nackt. Ich habe keine Beine mehr. Meine Arme, sie sind weg.
Wie fühlt es sich an, jemandem sein Herz „still zu legen“?
Sehr dankbares Opfer für ein solches Experiment ist natürlich ein Pädophiler. Er weiß, was es heißt Schmerzen zu bereiten und kann sich somit noch mal leichter in die Rolle seiner Opfer versetzen. Also nicht lange reden. Das Opfer auf eine Vorrichtung spannen, die ihn an der Flucht hindert (in Fachkreisen nennt man so was auch Folterbank). Also ordentlich fixieren, sonst ist es schwer ordentlich zu arbeiten. Um auch unnötiges Geschrei zu vermeiden, ist es ratsam dem Opfer die Stimme zu nehmen. Dazu eignet sich ein Schnitt in die Luftröhre unterhalb! des Kehlkopfes. Den Schnitt nicht zu weit nach links oder rechts ausdehnen (auch wenn es schwer fällt), sonst war die ganze Mühe bisher für die Katz (die bekommt noch früh genug etwas ab)
Wo waren wir? Ah ja, für Ruhe sorgen!
Man nehme nun ein scharfes Skalpell und mache einen geraden (für Ästheten) Schnitt über dem Brustbein. Nun benötigt man eine kleine Flex, oder etwas ähnliches, um das Brustbein zu durchtrenne. Aber nicht zu tief schneiden, sonst gibt es eine Fontäne. Da liegt es nun vor uns, das schlagende Herz. Auch solche Wesen haben ein Organ, welches das Blut durch den Körper pumpt.
Genug gelabert, fangen wir an Spaß zu haben. Sinnvoll ist es sich nun einen Stoffhandschuh über die Hand zu ziehen. Das Herz ist sehr glitschig. Nun ein beherzter Griff in den geöffneten Brustkorb und das schlagende Organ in die Hand genommen. Gut fühlt es sich an. Am besten zu vergleichen mit einem kleinen Beutel, in dem sich zwei bis drei Mäuse befinden, die ganz aufgeregt in dem Beutel umherwuseln. Wenn man möchte kann man seinem Opfer nun das Herz zeigen und langsam damit beginnen, die hand zu einer Faust zu schließen, was nicht ganz so leicht ist. Man darf gerne die zweite Hand zur Hilfe nehmen.
Wenn man nun langsam aber konsequent zudrückt merkt man wie das Herz immer mehr Mühe aufbringt dagegen anzupumpen.
Wir sind stärker.
Wenn es beliebt kann man nun dem Opfer zusehen, wie die Lebensgeister schwinden. Er wird blasser, verdreht vielleicht die Augen, der Atem, ein Fauchen ist zu hören, geht immer schwerer, er haucht sein Leben aus. Wieder einer weniger.
Wenn man möchte kann man nun dem armen geduldigen Kätzchen etwas anbieten. Herz soll sehr zart sein.
Okay - nachdem ich einige Proteste via eMail bekommen habe, reagiere ich dahingehend, eine Altersabfrage für diesen Beitrag einzubauen, damit jeder nochmal überlegen kann, ob er sich diesen Beitrag, den ich selbst klasse finde - eben ganz im Stil der amerikanischen Kultserie Dexter - wirklich ansehen möchte.
Ja das würde ich auch oft gerne
einfach die Decke über den Kopf gezogen
und schon ist die Welt viel kleiner
übersichtlicher
sie endet am Bettrand.
Schlaf um sich vermeintlich zu erholen
Schlaf um zu flüchten
Schlaf um zu vergessen
Schlaf um zu verdrängen
Schlaf um nicht denken zu müssen
Schlaf um nicht wieder zu erwachen
Er schaute zu, wie das Blut aus seiner, ca. 1,1475 cm langen, Schnittwunde am Zeigefinger der rechten Hand, auf die Schreibtischunterlagen tropfte. Die Wunde brannte und während er wie unter Hypnose den Blick nicht lassen konnte, begann er langsam und leise mitzuzählen. “Drei … vier … fünf …” Regen prasselte an den Rolladen, der von nächtlichen Wind hin- und hergeschüttelt wurde - das Blut dran in die Papierunterlage ein und näher betrachtet saugte es sich ungleich mit dem Lebenssaft voll. Er lächelte bei dem Gedanken, dass dieser Schmerz - wohl eher das Ereignis schlechthin - als willkommene Ablenkung zu betrachten war - seit mehr als zwei Tagen waren seine 24.stunden.schmerzen auf einem Level, das kaum erträglich war. Auch heute war an Schlaf nicht zu denken - irgendwann - würde ihn die Erschöpfung einfach dahin raffen, aber bis dahin brauchte er Ablenkung. Schmerzen zur Ablenkung von anderen Schmerzen - was paradox klingt ist als psychische Störung längst anerkannt - überlegen - Gott bewahre (welcher Gott?) - es war keine Absicht, sich am Papier zu scheiden. Eher eine Alltagshandlung - wer schneidet sich nicht mit Papier gelegentlich an den unmöglichsten Stellen …
Aber so schön der Schmerz auch ist - das würde nachher wieder anders aussehen - erst das Brennen bei der Desinfektion und dann würde er wieder einmal erfahren, wozu der rechte Zeigefinger so alles benutzt wird. Und jedes Mal würde es brennen wie der Teufel (schon besser!) - tagelang - dazu das wachsende Ganglion im rechten Mittelfinger - als ob drei davon in der linken Hand nicht genug wären. Als bei der damaligen Computertomographie der linken Hand danach der Doc hereinkam und ihm mit den Worten: “Glückwunsch! Wir haben Ihr Leiden gefunden!” die rechte Hand schüttelte - schliesslich war er ein mit viel Prügel umerzogener Linkshänder - “Aber leider muss ich Ihnen mitteilen, dass sie das Ganglion an insgesamt drei Fingergelenken haben.”
Nachdem nur noch mit viel Druck Blut aus der Wunde kam, überlegte er wo wohl die hübschen Pflaster mit den Elefanten abgeblieben war. Dann stand er auf, ging an den Medikamentenschrank und als er das Desinfektionsspray auf den Finger spritze und das Gesicht verzog. glaubte er hinter sich eine Stimme zu hören, die rief:
Eigentlich sollte es ein angenehmer Tag werden. Nachdem citizen.x erstmals auf den Termin beim Chiropraktiker vergangenen Donnerstag mit massiven Schmerzen statt mit angenehmer Schmerzbefreiung reagiert hatte, stellte er sich dem hochgelobten neuen Orthopäden in der nächsten Stadt vor. Termin werden ab 08:00 Uhr vergeben - 08:02 Uhr stehen 10 Patienten im Treppenhaus, dann öffnet sich die Tür. Patientenkärtchen, Fragebogen & Röntgen- und ct-bilder werden munter hin- und her gereicht und citizen.x wird Behandlungsraum 3 zugewiesen. Der Doc erscheint auch schnell. Beschwerden werden abgefragt, Bilder angesehen, Wirbelsäule abgetastet. Angaben zu den bisherigen Massnahmen … jo … sehr gut … Übungen, Krankengymnastik, Wirbelsäulengymnastik … ah ja … schmerzmittelresistent … Akupunktur hat nicht geholfen … Dann erklärt er, dass er keinesfalls eine Chiropraktik bei einem Patienten anwenden wird, der einmal auf eine solche Behandlung mit Schmerzen reagiert hat - heute nicht und auch nicht in Zukunft. Darüber hinaus sei er der Meinung, dass die Rückenschmerzen höchstwahrscheinlich gar nicht von der Arthrose und der Wirbelversteifung kommen, die man auf den Bildern sieht und die im Bericht erwähnt sind, sondern von einer unverarbeiteten psychischen Krise. Er empfiehlt eine baldige und umfassende Psychotherapie. Als citizen.x einwendet, dass der behandelnde Neurologe & Facharzt für Psychiatrie diese Möglichkeit bereits erörtert und verworfen hat, teilt er mit, dass dann der Arzt zu wechseln sei. Steht auf und tritt ab … Es dauert einen Moment bis citizen.x sich des Ganzen gewahr wird. Nachdem er neulich gehört hatte, dass es Orthopäden geben soll, die Wirbelsäulenpatienten grundsätzlich nicht annehmen, wundert ihn eigentlich nichts mehr …
Vor einem Latte Macchiatto, gegenüber dem Hauptportal eines der grossen Elektroeinzelhandelsketten, sitzend, schüttelt er noch immer ab und an fassungslos den Kopf. Als das Portal einladend seine Tore öffnet, zahlt citizen.x, geht über die Strasse und betritt den Elektro-Tempel. Im obersten Stockwerk angekommen, warten mehr als 10 Mitarbeiter der Handyabteilung auf Kunden. Einer tritt an citizen.x, der zu diesem Zeitpunkt mit kurzen schwarzen BW-Hosen, schwarzem T-Shirt & Turnschuhen bekleidet ist, heran. “Kann ich Ihnen helfen?” und citizen.x fragt, ob sie den neuen Nokia Communicator da hätten. Der Verkäufer sieht ihn an und fragt: “Warum?” … Hallo? Was ist das denn bitte für eine Frage? citizen.x greift an den Hosenbund, zückt seinen bisherigen Nokia Communicator, hält ihn dem Verkäufer vor das Gesicht und sagt dabei leise: “Weil ich mir den neuen Communicator kaufen werde, aber sicher nicht bei Ihnen!” Der Verkäufer steht noch am gleichen Platz als citizen.x die Rolltreppe erreicht …
In der TV-Abteilung angekommen steuert citizen.x auf die LCD-TV-Abteilung zu, um die Entscheidung zu treffen, seinen ‘alten’ LCD gegen ein Modell des gleichen Herstellers aber in Full-HD zu tauschen. Schnell wird er fündig, greift sich die alarmgesicherte Fernbedienung und steppt gleich mal ins Menue, um zu sehen, wo die Unterschiede liegen und um den augenkrebsverdächtigen Präsentationsmodus umzuschalten. Neben ihm ertönt plötzlich ein “Was machen Sie denn da?” citizen.x dreht sich um und fragt genauso dämlich zurück: “Wonach sieht es denn aus?” Das hat den Herrn sichtlich gereizt und er erklärt, dass die Fernbedienungen an den Geräten nicht dazu da seien, dass da Jeder dran rumspielen kann. Das Gerät wäre dann total verstellt und er hätte die Arbeit damit.
Okay - jetzt reicht es aber. “Sie wollen mir also erzählen, dass ich mir ein Gerät für 2.000 Euro, das ich kaufen möchte, nicht vorher ansehen und die Bedienung testen kann?” Keine Reaktion. “Würden Sie wissen, wovon Sie sprechen, dann wüssten Sie, dass es im Menue eine Taste gibt, die die Werkseinstellungen mit nur einem Tastendruck wieder herstellt.” Jetzt wird es kritisch. Er fordert erneut dazu auf, die Fernbedienung zurückzulegen. citizen.x tut was gewünscht wird, liest sein Namensschild ab, als er sich nach Vorne beugt und verlangt dann den Abteilungsleiter zu sprechen. Das wird ihm verweigert. Nun gut … es geht auch anders.
Am Haupteingang an der Information fragt citizen.x nach dem Chef des Ladens - der sei nicht im Haus - wohl aber sein Vertreter. Einige Minuten später erklärt im citizen.x den Vorgang, fügt den aus der Handyabteilung hinzu und stellt dem fassungslosen Herrn gegenüber klar, dass sich niemand wundern muss, wenn der Kunde seine Ware über das Internet bezieht, wo man sich darüber gewahr ist, keinerlei ‘Beratung’ zu erhalten und das mit Blick auf einen deutlich günstigeren Preis. Und genau das würde citizen.x nun auch tun - Ware im Nominalwert von 2.800 Euro im Internet bestellen, wo ihn niemand dumm von der Seite anmacht, weil er Geld ausgeben will und dabei sogar gut 600 Euro sparen. Er stellte dem Herrn noch anheim, Motivationskurse für seine Mitarbeiter anzubieten. Die hätten sie nämlich nach seiner Überzeugung dringend nötig …
Aus dem Weg zum seinem Wagen war citizen.x einmal mehr klar, warum er zunehmend zum Misanthropen wird …
Achtung! Diese bebilderte Geschichte kann spontane Übelkeit und/oder körperliche Schmerzen bereiten! Zartbesaitete Gemüter sollten wirklich nicht klicken!
Nachtrag:
Das dachten sich wohl auch die Macher und haben die Seite vom Netz genommen …