citizen.x ~ das weisse im auge
monster.senf abgeben 27.05.08 - 01:46 von citizen.x

Man ist ja beim allerersten Mal völlig unbedarft, was die Formalien anlässlich des Ablebens eines Menschen anbelangt. nach dem ersten Schock stehen sofort Entscheidungen an, man muss Unterlagen suchen, Termine machen, das Bestattungsinstitut aufsuchen und dort wieder weitreichende Entscheidungen treffen und dann sehen, wo man all die Informationen her bekommt, die man meint haben zu müssen. Da erfährt und/oder erlebt man auch Dinge, die einem das weisse ins Auge treiben. So hat man uns gesagt, dass die Beisetzung der sterblichen Überreste in einer Urne (die Asche auf der Wiese zu verstreuen, wie usnere Mutter das gewünscht hatte, geht in Germoney natürlich nicht) in einem anonymen Grab in einer Rasenfläche mit einer handesüblichen Betonplatte darauf runde 660 Euro allein städtische Gebühren kostet. das rechne mensch mal auf einen Quadratmeterpreis für Grund selbst hoch. Über die Minimalkosten einer Bestattung sage ich jetzt nichts - eine reguläre Bestattung mit allem PiPaPo kostet aber locker fünfstellig. Na dann mal kräftig sparen Leute …
Dass einem der katholische Pfarrer anruft und einen Termin wünscht, um etwas über die Tote zu erfahren - sprich unsere eigenen Worte in neue Sätze zu packen ist in Ordnung - dass man ihm das auch wegen Terminschwierigkeiten mailen kann, ist dabei eher neu.
Nachdem unklar wie und was wir tun oder lassen dürfen im Zusammenhang mit der Verfügung über das Konto zur Zahlung der fälligen Rechnungen und im Bezug auf die Auflösung der Wohnung, war ich schon am frühen Morgen unterwegs. Das leif alles überraschend gut - wenn man auch klar feststellen muss, dass die Erwartung von irgendwem eine Aufstellung oder Übersicht über all das zu erhalten, nicht erfüllt werden konnte. Viele Gespräche und noch mehr Anrufe später war fast alles erledigt - es stand noch der gang zum Notariat an, um von dort zu erfahren, ob wir rechtlich gesehen auch die Wohnungsauflösung einleiten können. Während an diesem Tag alle wirklich nett und hilfsbereit waren, traf ich dort auf eine Frau, die sich zu allererst darüber muckierte, wie ich wohl auf die Idee kommen könnte, ohne dass der Vorgang bei ihr aktenkundig sei, überhaupt Auskünfte über das weitere Verfahren erhalten zu wollen. Dazu der Ton … und dann hat sie das weisse in meinen Augen gesehen kurz bevor ich laut wurde und ihr dabei mitteilte, dass man einem Bürger von dessen Steuern man bezahlt wird, zum Verlust seiner Mutter wohl zu allererst einmal konduliert und dass ich die Auskunft über das rechtliche procedere hier und jetzt will und vor allem auf die eine oder andere Weise bekommen werde. Das ging ja dann auch, wobei ich ihren Ton einfach ignoriert habe. Fazit: Gibt es kein Testament, keinen Grundbesitz und alle sind sich einig, braucht man die ‘freundliche’ Dame vom Amt erst gar nicht. Die werden dann nur auf Antrag (Erbschein) tätig.
Die Bank zieht sofort die EC-Karte für das Konto ein - muss sein - wirkt aber extrem seltsam auf Denjenigen der sie in der Hand hält. Die Bank weist jede Abbuchung zurück, wenn das Konto nicht gedeckt ist - auch verständlich - haben sie doch Jahrzehnte lang verdient und nichts dafür getan - warum sollten sie es also jetzt tun. Um das Ganze abzuwickeln müssen Sie schon für ausreichende Deckung sorgen - nee … klar … Und merke: Ohne Sterbeurkunde kann man in Germoney nicht einmal den Mieterschutzbund kündigen, geschweige denn … Und ohne dass die Angehörigen das Stammbuch bei der ersten, zaghaften Suche in den Papieren des Verstorbenen, finden, dauern Sterbeurkunden schon mal ein wenig länger … nee … auch klar …
Ansonsten schau ich jetzt nochmal über die vielen DIN A4 Seiten von Notizen und auf den Terminplan für morgen und dann mal schauen, ob ein paar Stunden Schlaf wenigstens in dieser Nacht drin sind …
Nighty Night Leute …
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